26. Hesinde 1020 BF
Armida
Die Botschaft die ich am 16. erhalten hatte war völlig
nichtssagend und nur mit einem einfachen „A.“ und
dem Phexsymbol unterschrieben. Man wüsste was ich suche und
hätte es gefunden. Selbst als ich mit Thallian als
Leibwächter auf dem Teppich saß, konnte ich noch
nicht glauben dass ich so unvorsichtig war. Aber ich musste einfach
wissen was diese „A.“ von mir wollte.
Denn der Handschrift und dem exklusiven Parfümgeruch des
Papiers nach zu urteilen, konnte es sich nur um eine Frau handeln. Um
eine, die einen teuren Geschmack hatte, dessen war ich sicher.
Allerdings wollte die Schrift irgendwie nicht so ganz zum Rest der
Aufmachung der Nachricht passen. Und der Treffpunkt, der angegeben war,
laut Thallian die übelste Hafenspelunke die Perricum zu bieten
hatte, machte es auch nicht besser.
In der Hafenkneipe wurde ich mit barschen Worten zum Hintereingang
hinaus geworfen. Selbst als nicht gerade mit dem Gehabe der Unterwelt
vertrauten Menschen war mir klar, dass es sich hier um einen Trick
handelte die anderen Gäste zu täuschen. Wollte man
mich nur loswerden, hätte man mich zur Vordertür
hinaus komplimentiert.
Im Hinterzimmer traf ich nach den in Salix alten Geschichten
üblichen Spielereien: Licht in die Augen aus einem dunklen
Zimmer, schattenhafte Gestalt als Gesprächspartner... das
Übliche eben.
Nach dem Vorgeplänkel sorgte meine Gesprächspartnerin
für vernünftige Beleuchtung und stellte sich als
Aliena di Garalor vor. Die rassige Schönheit gab an
gehört zu haben, dass ich nach einem großen
Edelstein suchen würde. Und sie hätte da etwas
Passendes.
Zuerst jedoch ließ sie mich jedoch auf einer silbernen
verzierten Scheibe, bei der es sich nach ihren Angaben um ein heiliges
Phex-Artefakt handelte, einen Eid schwören sie nicht zu
betrügen. Sollte ich diesen brechen würden Phexens
Ungnade und lebenslanges Pech meine Strafe sein. Betrug liegt nicht in
meiner Natur, daher hatte ich damit kein Problem.
Sie übergab mir feierlich etwas, das ich zuerst für
einen riesigen Bergkristall hielt. Immerhin, es gibt keine so
großen Diamanten. Doch dann fiel das Licht der
Öllampe darauf und tausende von Facetten spiegelten sich in
allen Farben. Es war ein Diamant. Über 3000 Karat und ohne
Fehler und Einschlüsse! Unbezahlbar. Die Verhandlungen waren
entsprechend einseitig. Der Charme meiner bezaubernden
Verhandlungspartnerin und meine Unwilligkeit der üblichen
Verhandlungstaktik zu folgen und die Ware schlecht zu machen, denn dies
brachte ich nicht übers Herz, nahmen mir alle Argumente. Mein
Vater, Boron sei seiner Seele gnädig, hätte geheult,
wenn er mich verhandeln sehen hätte.
Sie wollte, dass ich ihr drei Artefakte erschaffen möge die
ihr helfen würden zur besten Diebin Aventuriens zu werden.
Hier kam es dann bezüglich der Fähigkeiten der
Artefakte zu harten Verhandlungen, da ich wie üblich die
völlig überzogenen Vorstellungen einer Laiin
über die Möglichkeiten magischer Artefakte senken
musste. Offenbar brachte sie das zu dem Schluss, dass sie hier nicht
mehr heraus holen konnte. Ich war fast überrascht. Ich
hätte auch noch einen halben Drachenhort und den Palast von
Abu Terfas drauf gelegt, aber wenn sie mit drei Artefakten zufrieden
war...
Mit dem Teppich flogen wir alle gemeinsam zur Akademie was sie nicht
wenig beeindruckte.
19. Firun 1020 BF
Ich habe mir für die Artefakte etwas länger Zeit
gelassen als unbedingt notwendig gewesen wäre. Die
Gesellschaft der rassigen Aliena war doch sehr angenehm. Feierlich
überreichte ich ihr heute die Schmuckschatulle mit den drei
Artefakten. Eines würde ihr die Möglichkeit geben
Fallen und Artefakte zu sehen, das zweite würde sie vor
magischen Angriffen schützen und das dritte würde ihr
ermöglichen Fallen mit dem Applicatus zu neutralisieren. Alle
würden sich selbst wieder aufladen mit mehreren Ladungen im
Monat. Ich war doch sehr mit mir zufrieden. Vor allem eines der
halbmondförmigen Ohrgeschmeide schien mich als ich es
übergab fast anzublinzeln. Ich hatte deutlich den Eindruck,
als würde Phexens Segen sowohl auf Aliena als auch auf dem
Artefakt liegen. Nach einem letzten gemeinsamen Mittagessen
verabschiedete ich die Meisterdiebin und ließ sie mit dem
Teppich zurück in ihre Heimat fliegen. Ich bin sicher wir
werden noch von ihr hören.
Den Rückflug nutzen wir dann gleich um die Magister, die
angeboten hatten uns beim Ritual des Chr’Szess’Aich
zu helfen sicher einzufliegen. Immerhin waren das die Convocata Prima
der Grauen Gilde, Spektabilität Prishya von Grangor, Erzmagus
Robak von Punin und Magister Aleya Ambareth aus Thorwal. Einzig
Spektabilität Salpikon Savertin ließ es sich nicht
nehmen auf seiner vermaledeiten Echsengefährtin selbst in die
Akademie zu fliegen.
Schade, dass Erzmagus Rakorium Muntagonus meinem Aufruf nicht gefolgt
ist. Ich hätte sehr gerne gesehen, was er zu der Achaz-Hexe
von Savertin gesagt hätte…
Die folgenden Wochen waren damit angefüllt, den Magistern ihre
Aufgaben im Ritual zu erläutern und ihnen die notwendigen
Rssaah-Formeln beizubringen. Bei Hesinde, warum war Savertin der
Einzige, bei dem ich nicht dauernd das lispelnde Ssss korrigieren
musste?!
26. Firun 1020 BF
Die Stelen wurden jetzt alle in Nacht- und Nebelaktionen aufgestellt.
Bis jetzt wurden sie vom Feind nicht bemerkt. Die Glyphen des
Ungesehenen Zeichens bewährten sich ein weiteres Mal. Glyphen
der Attraktion des Erzes verstärken die aus härtestem
Granit geformten Stelen und der erste erfolgreiche Versuch sie zu
beschädigen würde das Schutzsiegel auslösen.
Je ein Djinn des Erzes und des Humus vervollständigen den
Schutz der Stelen.
9. Tsa 1020 BF
Nachts
Erfrischt erwachte ich aus dem magischen Schlaf. Ohne Hildas
hervorragenden Schlaftrunk hätte ich bestimmt kein Auge
zugemacht. Nach einem gemeinsamen Morgengebet an die gütige
Herrin Hesinde bereiteten wir uns je nach Geschmack mit Meditationen,
dem Tanz der Mada und einem herzhaften Frühstück auf
das Ritual vor.
Im Schutze der Dunkelheit schlichen sich einige unserer Truppen
geführt von Thallian und Wolfhagsson in versteckte Positionen
in den Wäldern um von dort aus eingreifen zu können
wenn jemand die Stelen fand und Angriff. Einige der Elfen begaben sich
ebenfalls in Lauerstellungen.
09. Tsa 1020 BF
23.30 Uhr
Nachdem ich alle meine magischen Artefakte abgelegt hatte um eventuelle
magische Interferenzen zu vermeiden, wollte ich noch den Armreif
benutzen, den ich speziell für dieses Ritual vorbereitet
hatte. Um die Feinheiten der echsischen Magie nutzen zu
können, musste ich einfach meine Fingerfertigkeit und meine
Gewandtheit erhöhen. Und eine durch den Attributo
verstärkte Intelligenz würde mir vielleicht den
entscheidenden Vorteil bringen.
Recht erstaunt war ich als nach dem Aussprechen des
Auslösesatzes nur ein müdes Gähnen im Raum
ertönte. Ich fühlte mich weder klüger noch
geschickter.
„Ich sagte: „Mens sana in corpore sano!“.
Warum funktionierst du nicht?“ fragte ich genervt.
Eine müde leise Stimme ertönte: „Um die
Zeit? Es ist doch noch dunkel. Muss das sein?“
„Ja! Das Ritual findet nur einmal statt und zwar heute! Und
dazu brauche ich die Attributos die in dir gespeichert sind.“
„Das findet nur einmal statt? Na gut. Wenn du versprichst
mich einen Monat lang in Ruhe zu lassen kannst du deine Attributos
haben. Gähhhhn...“
Ein Astralgeist in einem meiner Artefakte? Und ich hatte es nicht mal
bemerkt? Höchste Zeit eine längere Pause bei der
Artefaktherstellung ein zu legen.
00.00 Uhr
Pünktlich um Mitternacht
begannen wir mit dem Ritual.
Ein ergreifender Moment. Die lange Vorbereitung. Die Unsicherheit ob
wir alle Komponenten rechtzeitig entschlüsseln und besorgen
würden können. Die Feinde dabei stets vor der
Tür.
Shafir eilte nach oben und holte die Berichte der Späher auf
der Turmspitze ein. Als wir eine kurze Pause einlegten, berichtete er,
dass es wie erwartet noch keine sichtbaren Effekte gab.
Es dauerte quälend lange, bis ich tatsächlich
Veränderungen im Astralraum wahrnehmen konnte.
04.00 Uhr
Die Kraftlinien zwischen den Stelen und unserem Ritualplatz bauten sich
weiter auf. Wir begannen damit sie zu dem Tridekagramm umzuformen.
06.00 Uhr
Shafir berichtete, dass eine feindliche Patrouille direkt über
zwei unserer Elfen an der Stele 3 gestolpert war. Das Einsatzteam auf
dem Teppich würde sich darum kümmern.
07.00 Uhr
An einer der Stelen gerieten die astralen Schwingungen außer
Phase. Offenbar war ein feindlicher Magier damit beschäftigt
sie mit Hellsichtmagie zu untersuchen und daran herum zu spielen.
DeLinth und mir gelang es nur schwer die Störungen aus dem
Ritual draußen zu halten.
Ein Bote flüsterte etwas in DeLinths Ohr. Er verließ
daraufhin den Ritualraum und kam wenig später wieder
zurück und meinte es sei alles in Ordnung. Was lief da
draußen? Hatte der Herzstein eben kurz unter dem unerwarteten
Zufluss von zusätzlicher Energie geflackert?
Als ich ihn befragte wollte er erst nicht antworten. Ich ging selber
nach oben. Das östliche Lager der Feinde erhielt Nachschub.
Gepresste Landwehr und Geiseln die man auf riesige Schilde band um uns
daran zu hindern die Geschütze einzusetzen. Ein widerlicher
Kerl in Richterrobe stellte sich mit magisch verstärkter
Stimme als Idwino von Prigelson vor. Sicher ein Paktierer des
Blakharaz. Er forderte unsere Aufgabe, drohte mit seinem Richtspruch
und gab an, jede Stunde 50 Geiseln hinzurichten bis wir uns ergaben.
Magische Nachforschungen mit dem Oculus ergaben zahlreiche
Dämonen die zwischen den Gefangenen umher wanderten.
Töteten wir den Beschwörer, wurden sie frei und
würden alle töten, bevor wir etwas dagegen
unternehmen konnten. Töteten wir ihn nicht, würde er
eben dieses bei unserem Angriff befehlen. Ich zermarterte mir den Kopf,
fand aber keine Möglichkeit wie wir die Geiseln
hätten retten können.
Thule vom Stein schäumte noch mehr vor Wut als ich.
Über eine Meile hin warf er einen Archosphaero, der jedoch
weit mehr Geiseln als gegnerische Soldaten tötete.
Die Stele Nummer 9 war ebenfalls in feindlicher Hand. Da Thallian
gerade nicht da war, erlaubte ich Ingmar Säcke voll
Hagelschlag mit dem Zyklopen zu schleudern. Im Gegensatz zum
eigentlichen Lager war die Stele noch knapp in Reichweite. Bereits nach
einer Salve war von der Stele keine Störung mehr zu
spüren und alle Feinde zogen sich eiligst hinter ihre
Verschanzungen zurück.
Für die Geiseln konnten wir nichts tun. Niedergeschlagen zog
ich mich zurück und versuchte den Gedanken an all die
unschuldigen Opfer zu verdrängen.
08.00 Uhr
Immer mehr Stelen gerieten in feindliche Hand. Trotz aller
Störungen gelang es uns unter enormen Anstrengungen das grobe
Muster aufrecht zu erhalten und zu vervollständigen.
09.00 Uhr
Boten berichteten von einem Angriff auf Mundtbach. Zwei Shruufya und
der Golem vernichteten sich gegenseitig. Rodrik wird stinksauer sein.
Mir ist es recht. Dämonische Konstrukte wollte ich nie in
meiner neuen Globule haben.
10.00 Uhr
DeLinth bekam den Bericht des Boten direkt und gab nur weiter, ein
Angriff auf Armida wäre abgewehrt worden. Ich hatte keine
Sekunde Zeit um einen daran Gedanken zu verschwenden. Die
Kräfte mit denen wir gerade arbeiten mussten waren
unglaublich. Das echsische Ritual bildete den Hebel mit dem wir mit
unserer lächerlichen Kraft ganz Armida in den Limbus heben
würden.
11.00 Uhr
Ein Bote wartete schon wieder am Eingang und trippelte nervös
vor sich hin. Als wir mit der aktuellen Ritualhandlung fertig waren und
eine Pause einlegen konnten, winkte ich ihn herüber. Er war
offensichtlich erleichtert endlich seine Nachricht loswerden zu
können.
Er berichtete, dass DeLinth den Karakil Xarfaidons zusammen mit Aleya
Ambareth und Prishya von Grangor auf eine Meile Entfernung hin gebannt
hatte. Der Feigling selbst war davon teleportiert bevor er in die
Niederhöllen gesogen werden konnte.
Dafür hatte der „Richter“ zum
Großangriff geblasen und die Soldaten aller Lager
stürmten von allen Seiten auf die Akademie zu. Ich jagte den
Kerl hinaus. Er sollte mich nur mit wichtigen Nachrichten
stören! Ein Großangriff, pah! Was unsere
Geschütze auf dem freien Gelände nicht
zusammenschießen konnten würde vergeblich gegen die
unüberwindlichen Mauern der Akademie rennen. Für so
was hatte ich keine Zeit. Wieso Xarfaidon den Transversalis
während der ganzen astralen Störungen und der sowieso
schon vorhandenen Nebeneffekte im Limbus nutzen konnte ohne
in tausend Stücke gesprengt zu werden ist mir ein
Rätsel. Allerdings eines, das ich später
lösen werde.
Ich fuhr fort die astralen Muster zu sortieren und zu versuchen die
chaotischen Störungen der feindlichen Magier an den Stelen zu
neutralisieren.
Wenig später durchzogen Erschütterungen den
Ritualraum. Einen Moment fürchtete ich schon das Tridekagramm
würde Schaden nehmen. Nicht auszudenken was dann passiert
wäre...
Ich schickte den Botenjungen nach oben um nach zu sehen was bei den
dämonischen Domänen da oben los war.
Kurz darauf kam er mit einer wirren Geschichte zurück. Er
erzählte eine Frau auf einer dämonischen
Kröte hätte die Meister des Erzes übernommen
und diese gegen die Mauern Armidas geschickt. Die Djinne des Wassers
seien von einem magischen Pfeil korrumpiert worden und hatten sich
selbst vernichtet und auch die Djinne des Erzes in den Mauern
würden bereits zum Teil korrumpiert sein und gegeneinander
kämpfen. Und unsere Bürger würden sich im
Hof versammeln und dort von einer Frau aufgestachelt werden.
In diesem Moment wurde das gequälte Gesicht eines von tiefen
Furchen durchzogenen Djinnes des Erzes in der Wand sichtbar. Die
unübersehbare Agonie in seinem Gesichtsausdruck
erschütterte mich bis ins Mark. Dann wurde er von steinernen
Händen der noch loyalen Djinne zurück in die Wand
gezogen.
Was sollte das? Wenn unsere Gegner so was vermochten, warum hatten sie
uns dann seit Monaten nur belagert? Hatten sie diesen gigantischen
Schlag in der langen Zeit vorbereitet? Ich dachte an die Artefakte die
ich bei Kurkum in wenigen Tagen herstellen konnte. Was mochten erst
unsere Gegner sich alles ausgedacht haben? Welch finstere Pakte waren
sie eingegangen um die Unzwingbaren zwingbar zu machen? Ich musste dort
oben persönlich nach dem Rechten sehen. Ich signalisierte
Dschelef und den anderen Großmagiern das Ritual weiter fort
zu führen. Vor dem nächsten Gongschlag musste ich
allerdings wieder auf meinem Posten sein. Die finalen und komplexesten
Komponenten des Rituals hätte ich selbst dann keinen der doch
erst recht spät angekommenen Magier erlernen lassen, selbst
wenn genügend Zeit gewesen wäre.
Ich eilte die Treppe hinauf und begab mich auf den neuen Balkon des
Turmes wo auch bereits schon Praiogard mit ihrem neugeborenen Hesindian
und DeLinth anwesend waren. Unten im Hof hatte sich eine Menge
versammelt, die laut gegen das Ritual wetterte. Über die Mauer
der Akademie waren die Meister des Erzes zu sehen wie sie auf die
bisher unüberwindlichen Mauern einschlugen und Stück
um Stück bersten ließen. Djinne sprangen aus allen
Richtungen auf sie ein, nur um ebenfalls von der
niederhöllischen Korruption angesteckt zu werden und sich
gegen ihre Kameraden zu richten. Ein mörderischer Kampf tobte
auf und in den Mauern.
Zorn wallte in mir auf und ich trat zum Rande des Balkons. Eine riesige
Menschenmenge aus Männern, Frauen, Kindern und Alten hatte
sich versammelt. Teilweise waren sie sogar notdürftig
bewaffnet und schwenkten Mistgabeln und Fackeln. Die Magd Elwene
wetterte eben weiter gegen unser Ritual und benutze dabei teilweise
eine so gebildete Sprache, dass mir sofort klar wurde, dass wir hier
einen weiteren Verräter in unseren Mauern hatten.
Praiogard war fast noch empörter als ich, da die
„Magd“ mit ihrem Tun gegen die
paiosgefällige Ordnung verstieß und ihrem
Lehnsherren Baron DeLinth Vertrauen und Gehorsam versagte.
Wo war Firunja wenn man mal jemand braucht um eine Menschenmenge zu
beruhigen?
Ich forderte sie auf von ihren Aufwiegelungen ab zu lassen und als sie
nicht sofort einlenkte, griff ich nach meinen Wurfsternen. Ein exakter
Treffer mit meinem treuen Endurium Wurfstern würde sie auf der
Stelle töten. Und dermaßen mit Attributos
aufgeputscht konnte ich gar nicht verfehlen. Ich prüfte sie
kurz mit dem Oculus. Nichtmagisch. Aber irgendwas kam mir falsch vor.
Ich beschloss sie nur kampfunfähig zu machen, dann konnte ich
sie hinterher in Ruhe verhören. Ein Eisenhagel aus drei
Wurfsternen sollte diesen Zweck erfüllen. Ich traf, doch alle
drei prallten an ihrer Haut ab. Nur einer hinterließ einen
kleinen Schmiss. Eine Magierin oder Paktiererin! Verdammt!
Eine magische Gegenattacke blieb jedoch zu meiner Überraschung
aus. DeLinth setzte schon zur Geste des Ignifaxius an, um der
Aufwieglerin ein schnelles Ende zu bereiten, doch wurde er ebenso wie
ich von einer riesigen Wolfsgestalt abgelenkt, die über die
Mauer geflogen kam und krachend neben uns auf dem Balkon landete. Erst
zuckten wir zurück, dann erkannten wir Wolfhagsson, halb als
Wolf verwandelt. Wie hatte er denn das geschafft, den 10 Schritt hohen
Ring unserer Akademie einfach so zu überspringen?
Erst zögernd, dann immer sicherer werdend, trat er auf
Praiogard zu und forderte sie auf ihr das Kind zu übergeben.
Praiogard wehrte sich entsetzt. Offenbar vermutete sie auch
dämonische Einflüsse, denn mit lauter Stimme
rezitierte sie die Liturgie des Bannstrahls gegen Wolfhagsson:
„Herr Praios, ewige Sonne, Trenner von Recht und Unrecht!
Gepriesen sei Deine Macht. Dein strafender Blick falle auf diesen
Frevler, der mir mein Kind entreißen will. Es SEI!“
Unwillkürlich trat ich einen Schritt zurück. Es ist
als Magier nie ratsam einem Praioswunder zu nahe zu kommen. Die Wolken
öffneten sich und ein gleißender Sonnenstrahl zuckte
aus dem Himmel und hüllte Wolfhagsson ein. Aufkeuchend
stürzte er zu Boden. Praiogard senkte triumphierend ihr
Sonnenzepter, doch dann stand Wolfhagsson wieder auf. Er wirkte etwas
benommen, jedoch völlig unverletzt. Offenbar war er doch weder
von einem Dämonen besessen noch ein Paktierer.
Praiogard erbleichte, und wich einen Schritt zurück. Zitternd
erhob sie abermals das Zepter, doch ihre Stimme hatte alle Festigkeit
verloren. „ES SEI!“ rief sie abermals, doch nichts
geschah. Klappernd fiel ihr Sonnenzepter zu Boden. Während
DeLinth unschlüssig herum stand, verlangte Wolfhagsson wieder
nach dem Kind.
Eiskalter Wind fegte über den Balkon und ein weiterer riesiger
Wolf, diesmal mit rot leuchtenden Augen, erschien aus dem Nichts. Seine
Stimme tönte laut und herrisch in unserem Geist:
„Ich glaube es reicht jetzt!“
Die beiden begannen ein wirres Streitgespräch in dem der eine
Wolfhagsson aufforderte DeLinths Neugeborenen zu übergeben,
der andere widersprach. Dann argumentierte der eine mit dem Mysterium
von Kha und der Rotäugige war sichtlich erschrocken als er
erfuhr, dass Wolfhagsson einen Vertrag aus freiem Willen eingegangen
war. Daran sei nicht zu rütteln.
Dann verwandelte sich der rotäugige Wolf plötzlich in
den Heiligen Jarlak, den Stammvater der Ehrensteins und erster Herzog
von Tobriens. Er sprach mit DeLinth und Praiogard und
schließlich gab sich DeLinth geschlagen und bedeutete
Wolfhagsson seinen Sohn zu nehmen.
Erneut griff Wolfhagsson nach dem Kind. Praiogard geriet immer mehr in
Panik und forderte DeLinth sogar auf seine verfluchten
Zauberkräfte zum Schutze seines Kindes zu benutzen, doch der
schüttelte nur mit ausdruckslosem Gesicht den Kopf. Am Ende
versuchte sie sogar sich in Panik von der Brüstung zu
stürzen, aber DeLinth verhinderte dies und lähmte sie
letztendlich mit einem Paralü.
Wolfhagsson nahm ihr das Kind aus den starren Armen und hielt es dem
Wolf hin. Sanft nahm dieser das Tuch in seine Zähne und sprang
davon. Hätte er das Kind hier und jetzt zerrissen, bei den
Zwölfen ich hätte sie alle ausgelöscht.
Alveranier oder nicht.
Die folgende Diskussion zwischen DeLinth und seiner hysterischen Frau
bekam ich nur noch vage mit. Ich war einfach überfordert. An
der Akademiemauer konnte ich sehen wie Thallian einen der Meister der
Elemente mit seinem Schwert köpfte.
Die „Magd“ Elwene war von den Ereignissen wenig
beeindruckt und rief weiter zu uns herauf, wir würden ja doch
alle sterben müssen, weil wir nie genug Energie für
die erfolgreiche Durchführung des Rituals aufbringen
könnten. Sie forderte uns auf davon ab zu lassen und unsere
übrigen magischen Kräfte auf die Verteidigung Armidas
zu konzentrieren. Wie hoffnungslos dies auch sei.
Die alte Käthe, Dschelef's Haushälterin, die sich
immer rührend um den jungen Shafir kümmert, trat aus
der Menge hervor und fragte, ob man nicht ihre Lebenskraft nutzen
konnte, um das Ritual gelingen zu lassen und alle anderen zu retten.
Mir blieb die Sprache weg. Wie kam die auf so was?!? Sie musste eine
der Besprechungen zwischen mir und Dschelef mitgehört haben.
Da hatten wir diese Möglichkeit allerdings kategorisch
ausgeschlossen. Ich konnte nur abwehrend die Hände heben und
mich nach DeLinth umsehen. So was konnte er besser als ich. Er
würde die richtigen Worte finden, um die arme Frau von einer
so irrsinnigen Idee ab zu bringen.
Immer mehr unserer treuen Bürger traten vor und boten ihr
Leben an, um ihre Familien und Kinder damit zu retten. Der hinkende
Alrik, die alte Magd die mir immer meinen Morgentee brachte, der
frühere Schmiedemeister, der es mehr als verdient
hätte seine letzten Tage in Ruhe zu verbringen. Ich wusste
nicht wie ich reagieren sollte. Ich schüttelte stumm den Kopf.
Ich versuchte sie davon ab zu bringen, aber mir fielen keine Argumente
ein. Sie hatten ja Recht. Ohne Blutmagie konnten wir es nicht schaffen.
Erst während dem Ritual hatte ich erkannt, dass die
Energiemengen mit denen ich gerechnet hatte viel zu niedrig
geschätzt waren.
Die Störungen durch Borbarad’s Manipulationen
auszugleichen kostete unerwartet viel Kraft. Nie würde dies
eine lebensfähige Globule werden. Mit dem bisherigen Ergebnis
würden wir vielleicht nicht mal Mundtbach mitnehmen
können. Und nun war es zu spät alle Einwohner
über den Tunnel in die Akademie zu holen, wie unser
Notfallplan für diesen Fall eigentlich vorgesehen hatte.
Solange Djinne durch Mauern und Boden tobten war es dort unten
lebensgefährlich. Damit hatte niemand gerechnet.
Ich wollte mich weigern, aber ich fand keine Worte. Noch
während ich herumstammelte, wandte sich Jarlak an die
Freiwilligen, die sich für uns opfern wollten:
„Wenn ihr Euer Leben geben wollt, dann gebt es im Kampfe.
Habt keine Furcht, ich werde an Eurer Seite kämpfen. Es wird
die LETZTE SCHLACHT DES WOLFES werden!“
Da trat die Aufwieglerin von vorhin wieder vor. Die hatte ich fast
vergessen. Elwene hob die Stimme und sprach: „Gut wenn ihr
uns denn alle retten wollt, dann wollen auch wir, die Verschwiegenen
Schwestern und Töchter der Erde von Mundtbach unseren Teil
dazu beitragen.“
Sechs weitere Frauen und ein Mann stellten sich zu ihr.
„Hexen? Hier?“ Fuhr es mir durch den Kopf,
„aber in Tobrien gibt es doch gar keine Hexen!“
Während der Wolf schaute, als ob ihn dies alles zu
höchst amüsierte und dann mit dem kleinen Hesindian
im Maul lässig über die Mauer sprang, nahm
Wolfhagsson nun eine vollständige Wolfsgestalt an und rannte
laut heulend los. In der Ferne ertönte aus allen Richtungen
ebenfalls Wolfsgeheul. Dutzende, nein Hunderte von Wölfen
mussten sich im Wald aufhalten.
Bevor ich mich wieder fangen konnte, legte DeLinth mir seine Hand auf
die Schulter: „Geh wieder in Deinen Ritualraum. Ich werde
mich hier um alles kümmern.“
Mit einem letzten Blick auf die ängstlichen aber
entschlossenen Gesichter der Menschen die vortraten um ihr Leben zu
geben, drehte ich mich um. Wie betäubt wankte ich die Treppen
zum Ritualraum hinunter. Ich konnte jetzt nicht darüber
nachdenken. Nicht jetzt. Eines Tages vielleicht, aber jetzt hatte das
Ritual Vorrang.
Hinter mir hörte ich noch die Bürger unter Anleitung
von Jarlak dem Firunheiligen ein Gebet an den eiskalten Herren
anstimmen:
„Oh mein grimmiger Gott. Gott der Jagd und des Eises, ich
bitte dich um zwei Dinge: Schenke mir Mut für die Kommenden
Stunden und verbanne meine Furcht mit Deiner gnadenlosen
Kälte, damit ich tun kann, was getan werden muss.
Für alles was wir hätten denken müssen und
niemals gedacht haben,
für alles was wir hätten sagen
müssen und niemals gesagt haben.
Für alles was wir hätten tun müssen und
niemals getan haben,
bitte ich Dich oh grimmiger Gott um Vergebung.
Dort treffe ich dann meinen Vater, dort treffe ich meine Mutter,
meine Schwestern und meine Brüder.
Dort treffe ich dann all jene Menschen meiner Ahnenreihe, von Beginn
an.
Sie rufen bereits nach mir. Sie bitten mich meinen Platz zwischen ihnen
einzunehmen.
In den ewigen Jagdgründen, wo die tapferen Männer
für alle Ewigkeit leben.“
Dann schloss sich die Türe hinter mir und sperrte die Stimmen
der Freiwilligen und den Lärm der Schlacht aus. Ich ignorierte
Fragen und neugierige Blicke der anderen Großmagier und
reihte mich wieder in den Unitatio ein: „Macht euch
dafür bereit zusätzliche Energie zu
empfangen.“
Savertin horchte kurz in sich hinein und nickte dann verstehend. Robak
fragte: „Wie viel Energie genau?“
„Sehr viel.“
Prishya von Grangor war das nicht ausreichend: „Wir haben
alle möglichen Quellen ausgeschöpft, wo wollt ihr
jetzt noch Kraft her holen?“
Schon spürte ich die erste Welle heran brechen und in das
Ritual fließen. Die fernen Echos von Schmerz und Verzweiflung
klangen in meinem Geist. In meinem Mund glaubte ich den Geschmack von
Blut zu schmecken. Dies beendete alle Fragen. Jeder im Ritualkreis
spürte instinktiv die Herkunft der zusätzlichen
Macht. Nun galt es den Geist frei zu halten und alle Anstrengung darauf
zu verwenden sie nutzbringend zu kanalisieren.
Tod strömte durch die Adern aus Kraft. Wahnsinn hätte
mich überkommen wenn ich nicht einen Halt gefunden
hätte, einen Anker für meinen Geist. In dem Orkan der
gewaltsam entrissenen Lebenskraft spürte ich die freiwilligen
Opfer. Entschlossenheit andere zu beschützen. Den Mut alles zu
geben. Ich konnte diese Menschen nicht enttäuschen. Ich konnte
ihr Opfer nicht vergebens sein lassen. Jedes Quäntchen Kraft
leitete ich in das Ritual. Nichts wurde verschwendet.
Wieder griff ich mit meinem Geist hinaus zu den Kraftlinien Armidas um
diese zu ordnen. Die letzten dämonischen Verunreinigungen
vergingen unter den Anstrengungen der Druiden an den Stelen. Fast
konnte ich ihre geistigen Stimmen hören. Doch etwas war noch
da. Eine Präsenz. Ein Makel. Es war lebendig, gierig, hungrig,
BÖSE! Es gelüstete nach der Macht der Blutmagie die
durch das Gewebe des Rituals pulsierte. Ich würde nie genau
erfahren was die letzten Dämonologen als Abschiedsgeschenk in
die Stele beschworen hatten. Oder ob die Blutmagie allein dieses Wesen
gerufen und man ihr nur einen Zugang verschafft hatte. Aber es war da.
Und es kam durch die Kraftlinien näher. Es suchte das Zentrum
der für sie köstlichen Macht. Mehr und mehr der
astralen Kraft nahm es in sich auf und wurde stärker.
Mein Wille griff hinaus und astrale Macht strömte durch ihre
Kraftlinie um sie hinaus zu spülen. Doch die von
vielhundertfachem Tod korrumpierte Kraft nährte es nur weiter.
Meine Gedanken überschlugen sich. Was sollte ich tun? In
wenigen Minuten würde die dämonische Präsenz
den Ritualraum erreichen und alles verschlingen was wir erschaffen
hatten. Und dann uns. Das konnte nicht sein. Das durfte nicht sein!
Mein Blick fiel auf die Ritualsteine an den Spitzen des Tridekagramm's.
Die Initialenergie für die letzte Phase des Rituals. Ich
musste sie jetzt benutzen, am vorher bestimmten Zeitpunkt
würde es zu spät sein. Ich rief Prishya und Savertin
zu die Kraftlinien mit ihrem Geist zu halten und trat zum ersten der
eigroßen Diamanten. Robak von Punin erbleichte:
„Dazu ist es noch nicht Zeit! Meine Berechnungen, das wirft
alle meine Berechnungen durcheinander!“
Ich nickte ihm nur abwesend zu. Meine Gedanken schlangen sich bereits
um die Kraft die in dem diamantenen Kraftspeicher aufbewahrt war. Kaum
weniger als ein frisch ausgebildeter Eleve in sich aufbewahren konnte.
Ich hielt ihn über den Kessel in dem das schwarz kochende Blut
der Domäne Tyakra'mans zornig brodelte: „Blakharaz,
Herr der ungerechten Rache, Deine Macht sei getilgt aus meinem
Reich!“
Die Macht in dem Kristall war nur ein Funke der unendlich viel mehr
Macht aus dem eigentlichen Ritual mit sich zog und die brodelnde Essenz
befriedete. Das schwarze Blut gerann und reinigende Energie zuckte
durch alle Kraftlinien.
Die Machtballung zögerte einen Moment, dann kam sie weiter auf
uns zu. Es war nicht genug, es würde nie genug sein.
Ich sah auf den Stein in meiner Hand. Die Schätze eines ganzen
Lebens, die Edelsteine aus zwei Drachenhorten und monatelanges Betteln
und Verhandeln mit Djinnen hatte es gekostet diese Steine herzustellen.
Permanente Kraft von mir, Lehrmeistern und Adepten hatte es gekostet
sie in Kraftspeicher zu verwandeln. Alles in mir sträubte sich
dagegen zu tun was getan werden musste. Immer hatte ich gehofft ein
paar dieser Steine übrig behalten zu können. Doch es
musste sein. Es gab keine Alternative. Ich senkte meinen Geist in die
makellose Struktur des Kristalls. Dann riss ich die elementare Kraft,
die in dem Stein selbst enthalten war, an mich und warf sie in das
Ritual. Unberührte reine elementare Kraft pulsierte durch die
Kraftlinien. Die blutmagische Perversion erbebte irritiert. Das konnte
sie nicht in sich aufnehmen. Ich griff zum nächsten Stein:
„Amazeroth, vielgestaltiger Blender, Deine Macht sei getilgt
aus meinem Reich!“
Der Kessel voller schillernder Scherben aus Narrenglas erbebte und die
Scherben wurden trübe und leblos.
Eine dämonische Essenz nach der anderen bannte ich und opferte
anschließend den diamantenen Kraftspeicher, um seine
reinigende Kraft durch die Kraftlinien fahren zu lassen. Nach der
Hälfte verging die blutmagische Machtballung im Ansturm der
unverschmutzten Kraft. Doch bei diesem Werk würde ich kein
Risiko eingehen. Nicht für ein paar Diamanten. Ich opferte
jeden einzelnen der Steine und ließ seine Energie
fließen.
Macht durchzuckte mich. Die Matrix war bereit. Die Stelen von jedem
fremden Einfluss befreit. Eine unbegreifliche Menge an Kraft floss in
den Herzstein und verschwand dort. Wir hielten den Atem an.
Mehr als nur erschöpft stützten sich meine alten
Collegae auf ihre Zauberstäbe. In unserer Mitte glitzerte das
Herz in allen Farben die Tsa geschaffen hat und mit dem Leuchten das in
jedem Lächeln Madas zu finden ist.
Jeder einzelne Funke war ein Geist, eine Seele, ja eine ganze Welt die
darin erwuchs.
Und wir ließen sie gedeihen.
Das Rauschen der Ewigkeiten dröhnte in unseren Ohren, nichts
anderes war zu hören und neben dem Schweiß auf der
Haut fühlten, wir auf unserem Leib den Wind der das Schiff der
Zeit selbst antreibt.
Der Raum um uns herum verschwand und wich dem grauen Wabern des Limbus.
Über uns in unendlicher Ferne konnten wir eine Gestalt von
unbegreiflicher Größe erkennen, die uns den
Rücken zu wandte. Der Kopf gekrönt von einer Krone
aus Hörnern. Dreizehn Hörnern. Langsam begann der
Kopf sich zu drehen und wir fürchteten schon den
tödlichen Blick des Herren der Zeit selbst auf uns fallen zu
sehen. Dann verschwand die Vision wieder und steinerne Wände
versperrten uns den Blick.
Ein mächtiger Schlag durchfuhr den Boden. Heftige Vibrationen
erschütterten den Raum, die Akademie, ja wahrscheinlich das
gesamte Umland.
Stärker und stärker wurde das Beben.
War das die Rache des Vielgehörnten sich in seine
Angelegenheiten einzumischen?
War es das Ende?
Wir blickten mit roten Schlieren in den Augen nach vorn. Astrale
Eruptionen zischten durch den Raum. Wir sahen grünliche Funken
und Astral-Schmetterlinge durch den Raum fliegen um gleich in Auroren
aus Astralfeuer zu vergehen.
Doch der Herzstein leuchtete nicht mehr.
In ihm war eine kleine graue Kugel, wabernd und pulsierend.
Sie wuchs und wurde größer, brach aus dem Diamanten
hervor, als sie uns erreichte schleuderte sie uns durch den Raum.
Wir konnten spüren wie die astrale Kralle diesen Landstrich
aus Sumus Leib riss und durch die Sphären schleuderte. Dann
herrschte wieder Stille.
Erschöpft stiegen wir alle die Stufen zur Turmspitze hinauf um
uns umzusehen. Unterwegs stieß auch DeLinth wieder zu uns.
Noch erfüllt von der Euphorie der Macht die ich eben bezwungen
hatte, umarmte ich ihn und fragte ihn was er jetzt genau getan hatte.
Meine Freude verwandelte sich in Asche als ich ihm in die Augen sah.
Kein Funken von Emotion war in seiner Stimme erkennbar: „Frag
mich das nie wieder. Niemals.“
Ich stolperte die letzten Schritte nach oben. Dort verteilten wir uns
an der Brüstung. Einen Moment glaubte ich wir hätten
versagt. Einen unendlich langen Moment dachte ich, es wäre
alles umsonst gewesen. Über uns ein der Himmel, um uns herum
die gewohnte Landschaft und Wälder bis zum Horizont.
Doch kein Madamal leuchtete über uns und auch Praios Antlitz
war verschwunden. Die Wälder streckten sich zwar in alle
Richtungen, doch konnte ich nun ein Muster erkennen. Ein vage
dreizehneckiger Bereich war normal, doch dahinter schien sich immer das
gleiche Stück Wald zu wiederholen. Immer und immer wieder bis
zur Unendlichkeit. Wie zwei Spiegel die sich gegenüber
standen.
Dann blickte ich nach oben und weit, weit entfernt konnte ich hinter
dem grauen Himmel das graue Wabern des Limbus erkennen.
Triumph wollte wieder sein Gesicht erheben, doch dann fiel mein Blick
auf die Landschaft um unsere Akademie. Leichen über Leichen
erfüllten das Gelände und es drehte sich mir der
Magen um.