Aus dem Tagebuch des Magiers Torben ibn Abdul ibn Alhazred:

13 Travia 26 Hal
In der Zikkurat von Schemscherib

Nachdem ich erst von den Nachwirkungen der schrecklichen Fallgrube geheilt worden war, wollte ich mich bei dem Kampf gegen die Mumie eigentlich heraus halten. Als meine Gefährten jedoch wenig auszurichten schienen und Salix wie immer mit seinem Zahnstocher gegen Untote, Dämonen oder Golems praktisch wehrlos war, ging mir die Geduld aus. Mit einem lauten tulamidischen Kriegsschrei wirkte ich mal wieder einen Attributo aus meinem Stab und stürmte mit unbändiger Kraft in die Schlacht. Im Vorbeirennen nutzte ich einen weiteren Stabspeicherzauber, um Thallian eine magische Rüstung zu verleihen. Mit seinem doch sehr offensiven Kampfstil ist er ohne Rüstung stark im Nachteil. Gemeinsam prügelten wir die Wächtermumie dann ohne große Finessen in Stücke.

Nachdem wir sie endlich besiegt hatten, waren die Statuen, wie von Leomar erwartet, zum Leben erwacht. Hätte er nicht schon während dem Kampf angefangen diese umzuwerfen, hätten sie uns vermutlich ausgelöscht. So waren die einzig übrig gebliebene Statue nur Beute für unsere Schwerter und Stäbe.

DeLinth fand beim Herumwühlen in den Eingeweiden der Mumie dann auch noch die Quelle des starken magischen Leuchtens das ihm bei seinem eigenen Oculus aufgefallen war. Einen Kristall mit seltsamen Matrixfragmenten. Irgendwie unvollständig. Für eine nähere Analyse war keine Zeit, also nahmen wir ihn erstmal mit.

Jetzt kam ich mit meiner magischen Sicht ins Spiel. Die Zikkurat wimmelte nur so von magischen Fallen, wie man es bei der Begräbnisstätte eines Magiermoguls auch erwarten sollte.

Unsere vorwitzigen Krieger wollten schon durch die nächste Türe stürmen, als ich sie bat doch erst nach Fallen suchen zu dürfen. Und tatsächlich, die Türklinke würde statt irgendetwas zu öffnen nur drei mal täglich einen Feuerball zünden. Eine eigentliche Tür existierte nicht, aber in den Ornamenten verborgen fand ich die Arcanoglyphe mit dem Zauberzeichen „Zähne des Feuers“. Eine Glyphe die nach der Auslösung das Material auf dem sie angebracht ist vernichtet. Nur war diese unvollständig. DeLinth schlug sofort den Kristall als Lösung vor und nachdem ich die in ihm enthaltenen Matrixfragmente in der Lücke ausgerichtet hatte, verbrannte die steinerne Türe vor unseren Augen. Die herunterfallende Klinke hatte dabei Ihre Magie verloren, was alle sehr schade fanden. Als tragbare Falle wäre sie sicher noch mal nützlich gewesen.

Dahinter fanden wir Treppenstufen die zu einem reich geschmückten Raum führten. Augenscheinlich hatte der Magiermogul hier in den Wänden die Gegenstände eingravieren lassen, auf die er auch im Jenseits nicht verzichten wollte. Tontäfelchen mit Namen und Daumenabdruck versicherten ihm die Dienste seiner Diener auch im Jenseits, ein Labor und eine Bibliothek waren geschickt perspektivisch in die Wände links und rechts graviert. Gegenüber sahen wir eine Wüstenlandschaft mit einem Palast. In dieser Wand schien sich etwas wie eine Türe zu befinden. Unter dem Oculus nahm ich deutliche Tarnmagie wahr, die meinen Blick verschleierte. Außerdem war praktisch alles hier magisch. Ein Punkt an der linken Wand erregte jedoch meine Aufmerksamkeit. Hier konnte man sicher einen Zugang öffnen. Ich bat die anderen zurück zu treten und berührte den Punkt. Oder zumindest versuchte ich es. Noch ein Stück vor der Wand erstarrte mein Körper zur völligen Regungslosigkeit.
Oh ich Sohn der Unvorsicht! Hatte ich doch unter all der Magie das in den Gravuren von alchemistischen Geräten und Möbeln verborgene Zeichen des Basilisken übersehen. Aber sicher würden meine Gefährten mich schnell aus dieser peinlichen Situation retten.

Nichts konnte ich bewegen, aber meine Augen sahen weiter in dieselbe Richtung. In meinem Sichtfeld tauchte mein Kollege DeLinth auf um mir wohl in die Augen zu sehen. Warum auch immer. Jedenfalls geriet er dabei selbst in die Falle und ich hatte die nächsten paar Minuten das Vergnügen, sein besorgtes Gesicht studieren zu dürfen. Er konnte weder sprechen noch gestikulieren, aber wenn er geistig ebenso wach war wie ich, würde er vielleicht trotz allem einen Gegenzauber wirken können. Der „Verwandlungen beenden“ kann nicht auf den Anwender gewirkt werden, jedoch konnte er mich befreien.
Bevor allerdings irgendwelche magischen Versuche spürbar wurden, wirbelte mein Sichtfeld durcheinander und bewegte sich.

Wie ich sehen konnte stand auch Salix versteinert im Raum. Thallian und Leomar zogen soeben auch DeLinth aus der Reichweite der Falle und standen danach etwas ratlos in der Gegend herum. DeLinth konnte mich nicht mehr sehen, da man ihn von mir weg gedreht hatte. So konnte er nicht einmal versuchen mich zu verwandeln. Kein Spruch der Kommunikation oder Illusion den ich kannte war mir so geläufig, dass ich ihn ohne Gesten und Worte hätte auch nur versuchen können. Selbst der Flim Flam wäre mir unter diesen Umständen schwer gefallen. Zunehmend frustriert konnte ich nur untätig abwarten bis die Wirkung von alleine verging. Über eine Stunde später war es dann soweit.

Nach einigen vorsichtigen Untersuchungen, zeichnete ich die hinterhältige Glyphe sowie die dazu gehörigen Astralmuster gründlich ab. Auch wenn meine Gefährten dabei nervös um mich herum trippelten. Danach zerkratzte ich eine wichtige Primärlinie mit einem der Säbel der Wächter. Als das Astralmuster zerfaserte rechnete ich eigentlich mit einer bösartigen Feuerlanze die mich durchbohrte oder ähnlichem. Nun, zugegeben, die Idee kam mir erst, als es für Gegenmaßnahmen wie einen Gardianum schon zu spät war.

Stattdessen verschleierte sich meine Sicht und der Geschmack von Sand erfüllte Nase und Mund. Aus unzähligen Löchern in der Decke rieselte im gesamten Raum feinster Sand herunter. Durch den Staub konnte man sofort kaum noch etwas sehen. Zum Glück konnte ich mich an der Wand entlang zurück zur Türe tasten. Hier stieß ich allerdings auf eine unangenehme Überraschung. Nach dem Stein des Türrahmens glitten meine Finger über eine harte, glatte Oberfläche die meine Hand leicht kribbeln lies. Ein Fortifex versperrte den Ausgang. Mühsam unterdrückte ich meine aufkeimende Panik. Es musste doch einen Ausweg geben! Sand… Erz… Natürlich! Ich rief Jalef, den Erz-Djinn meines Amulettes und befahl ihm hustend und bereits knietief im Sand begraben, diesen zu entfernen und das weitere Hereinrieseln zu unterbinden. Da er seine künstlerische Ader hier nicht ausleben konnte, reagierte er ungewöhnlich quengelig und meckerte laufend herum wie viel Sand dies doch sei und was für eine schwere Arbeit. Aber er tat sein Werk und bald floss der Sand nach Oben durch die Löcher hinaus, welche er daraufhin mit Erzbrocken verschloss. Jeder wie eine andere Wüstenblume geformt. Dieser alte Angeber.

Nun war guter Rat teuer. Eigentlich hatten wir in dem Bild des Palastes eine Tür erwartet, aber als wir näher kamen war keine zu finden. Genervt murmelte DeLinth was von lästigen Tarnzaubern und konzentrierte sich sichtbar. Dann grinste er und verkündete eine Türe zu sehen. Erst als er mich mit einem Psychostabilis belegte, konnte ich diese ebenfalls erkennen. Das legendäre Ungesehene Zeichen der Magiermogule! Eine Glyphe die schon seit Urzeiten ganze Tempel vor Beobachtern verbergen soll!
Neben dieser Glyphe enthielt die Türe noch Glyphen zur Bannung aller sechs Elemente. Zuerst verwirrte mich dies. Welchen Effekt sollte das denn hervorrufen? Dann fiel mir der, von mir bisher noch nicht aktiv genutzte, Nebeneffekt dieser Glyphen ein. Schutz vor elementarem Schaden. Der Oculus enthüllte darüber hinaus ein Schloss mit einem extrem starken Bannzauber gegen Telekinese. Der Foramen würde uns hier wohl nicht weiterbringen. Nach einiger Diskussion versuchte Salix die für ihn immer noch unsichtbare Türe mit verbundenen Augen zu knacken. Ich führte seine Finger bis er das Schloss mit seinen Dietrichen gefunden hatte, danach kam er gut allein zurecht. Überraschend schnell öffnete sich dieses scheinbar letzte Hindernis.

Nun betraten wir die eigentliche Grabkammer. Die Wände waren mit leuchtenden Glyphen bedeckt, deren Licht von unzähligen Edelsteinen in der Decke widergespiegelt wurde. Das Ganze stellte eine Nachbildung des Sternenhimmels dar.
Darunter waren ein reich verzierter Aufenthaltsraum im Vordergrund und eine Schlafkammer mit einem riesigen versteinerten Bett im Hintergrund. Auf diesem Marmorbett lagen die magische Statue des Magiermoguls und dreier sehr anziehender Konkubinen. Die vorhandenen magischen Restspuren ließen mich auf den Schluss kommen, dass der Mogul sich wohl kurz vor oder nach seinem Tot hatte versteinern lassen. Und danach auch seine liebsten Konkubinen. Ich verkündete daher, dass der Mogul technisch gesehen noch leben würde und daher dies offensichtlich keine Grabstätte sei. Wir konnten daher nach Herzenslust plündern.

Eine Statue eines versteinerten Diebes der die Hand noch in einer Schatztruhe hatte, stellte sich als völlig unmagische Attrappe heraus. Nette Idee. Hatte tatsächlich vor meiner Analyse sogar meine gierigen Gefährten von den zahlreichen Edelsteinen und Goldstücken abgehalten. Ich selbst hatte aus rein wissenschaftlichen Gründen einige Edelsteine mit Motorikus aus ihrer Kiste entnommen. Ohne negative Auswirkungen. Nun, wenn man von einem heftigen Hieb von DeLinth auf meinen Hinterkopf absah. Er hat manchmal überhaupt kein Verständnis für wissenschaftliche Forschung!

Am Boden zweier Truhen fand ich noch die Glyphen des verfluchten Goldes. Daher stürzten wir diese einfach um und entnahmen so schadlos die wertvollen Inhalte. Insgesamt fanden wir Gold und Edelsteine im Wert von sicher über 3000 Dukaten, sowie einen Mondstein und einige Tontäfelchen mit dem Zeichen Bastrabun's. Leider waren zwei davon beim Umstürzen der Truhen zerbrochen und würden eine langwierige Puzzelei erfordern.

Bevor wir unsere Untersuchung beendet hatten, ertönte plötzlich ein Warnruf von Leomar. Er hatte erkannt, dass das scheinbare Mosaik mit dem riesigen Skorpion in Wahrheit aus unzähligen inaktiven kleinen Skorpionen bestand. Während er noch versuchte alle zu Staub zu zertreten, erhob sich der ganze Schwarm, wirbelte durch den Raum und vereinte sich zu einem riesigen dämonischen Skorpion. Natürlich griff uns dieser letzte Wächter des Raumes sofort an.

Thallian und Leomar schlugen tapfer und unentwegt auf die Bestie ein. Allerdings richteten ihre nichtmagischen Waffen bei dem Schwarmwesen nur wenig Schaden an.
Mit einem lauten „Rondra hilf!“ beschwor Thallian seine Göttin und Schlug erneut zu. Leider wieder ohne nennenswerten Schaden. Als ihn der Skorpion daraufhin allerdings mit einem mächtigen Hieb seiner Schere traf, zerfiel diese in tausend tote Skorpione. Im Gegensatz zu den anderen Verletzungen die wir der Kreatur im Laufe des Kampfes noch zufügten, blieb die Schere auch vernichtet. Dieses weitere Zeichen, dass er wieder in der Gnade seiner Herrin stand, spornte den Krieger noch weiter an.
DeLinth wurde von dem Skorpionsschwanz getroffen, dann wurde Thallian von einem mächtigen Hieb durch den Raum gewirbelt. Salix kam nun plötzlich von der Seite angerannt und schwang… einen Stuhl! Bevor ich ihn noch anfahren konnte den Blödsinn zu lassen und sich mein Bannschwert zu leihen, donnerte der Stuhl in das Schwarmwesen und richtete hier deutlich mehr Schaden an, als unsere bisherigen Versuche.

Ich beschwor daraufhin meinen Flammen-Khunchomer und hieb mit der brennenden Breitseite wieder und wieder in den Schwarm.

Von hinten donnerte nun eine breit gefächerte Flammenlanze nach der anderen an mir vorbei. DeLinth setzte der Kreatur mit dem systematischen Abfackeln ihrer Beine heftig zu.

Ein Moment der Achtlosigkeit brachte mir einen schmerzhaften Hieb ein. Leomar ging kurz darauf nach bestimmt dem dritten oder vierten schweren Treffer zu Boden.

Wenige Hiebe später brach die dämonische Kreatur zusammen.

DeLinth stürzte zu Leomar und holte ihn mit einem mächtigen Balsam von der Schwelle des Todes zurück.

Nachdem wir unsere Wunden verbunden hatten, durchsuchten wir den Raum.

Während meine Gefährten die Beute in handliche Säcke und Truhen verpackten, untersuchte ich die magischen Utensilien und Schätze die um das Marmorbett herum aufgestellt waren.

Eine Brosche mit Sapefakta und Weihrauch, anwendbar 1x Täglich.

Ein Djinnenring mit einem Djinn des Wassers. Eine Anwendung, Aufladbar.

Ein Amulett mit drei aufladbaren Invercano Ladungen.

Ein Ring mit einem kräftigen Attributo auf das Charisma des Trägers. Anwendbar 1x Täglich! Thallian stürzte sofort herbei als ich dies während meiner Untersuchung laut vor mich hin murmelte. Der doch inzwischen etwas vernarbte und in die Jahre gekommene Krieger sorgte sich schon lange, dass seine Ausstrahlung nicht mehr ausreichte, um seine Zuhörer bei seinen Bekehrungsversuchen ausreichend zu überzeugen. Insgeheim vermute ich ja, dass es ihm mehr um bessere Chancen beim zarten Geschlecht geht…
Da ihn sonst niemand haben wollte, steckte er sich den Ring gleich mal an. Ich würde später noch den Auslöser ausknobeln.

Eine Lupe mit 2 wöchentlichen Anwendungen des Xenographus kam mir sehr gelegen. Mit dem Spruch hatte ich immer noch so meine Probleme. Außerdem denke ich, dass unser neugieriger Salix damit vielleicht etwas anfangen kann.

Eine Anstecknadel und ein Ohrclip stellten mich erst vor ein Rätsel, dann erkannte ich, dass das eine Artefakt Töne zum anderen leiten würde. Reichweite vermutlich um die 8 Meilen. Ebenfalls 2x Wöchentlich anwendbar.

Zu guter letzt fanden wir eine Speckstatue von Bastrabun mit einer stark vergrößerten linken Hand. Wir hatten ja erfahren, dass für das Ritual aus mir noch immer unklaren Gründen Bastrabun's linke Hand erforderlich sei. Vielleicht war dies ja die gesuchte Hand? Einen mumifizierten Überrest konnte ich mir nicht so richtig als Bestandteil des mächtigen Bannzaubers vorstellen.

Während wir noch mit dem Verpacken beschäftigt waren, hörten wir hinter uns plötzlich jemanden leise applaudieren. Sofort drehten wir uns um. Am Eingang stand niemand anderes als dieser nichtsnutzige Horatio di Bravaldi zusammen mit fünf grinsenden Söldnern mit gespannten Windenarmbrüsten.

Er gratulierte uns die Fallen überlebt zu haben und forderte die Herausgabe des Mondsteines und der Tontafeln. Gold, Edelsteine und Artefakte interessierten ihn scheinbar nicht.
Er gab an Bastrabuns Bann als erster entschlüsseln zu wollen, zu seinem Ruhm und dem des Institutes der Arkanen Analyse zu Kuslik.

Wie schon mehrfach musste ich wegen einiger Reste des feinen Sandes Husten. Horatio erlitt ebenfalls einen leichten Hustenanfall, allerdings zeigte sich auf seinem Taschentuch Blut. Auf meine Nachfrage meinte er, an einer Krankheit zu leiden die nicht zu heilen sei. Man hätte bereits alles versucht.

Hier kam mir plötzlich eine „geniale“ Idee. Vielleicht waren es die langwierigen Analysen die mir den Geist vernebelten oder die Tatsache, dass wir hier in der Nähe einer Wüste waren, was mir ja immer schon Unglück brachte. Jedenfalls hatte ich zuletzt noch ein Service mit einer Goldkanne und sechs Goldpokalen untersucht. Die Kanne konnte einmal im Monat ein beliebiges Getränk beschwören, auf Wunsch auch vergiftet. Die Pokale dagegen konnten mit einem Abvenenum das Gift jeweils pro Pokal einmal im Monat wieder entfernen, wenn man die richtigen drei Juwelen berührte.

Ich fragte Horatio, ob er denn schon den heilenden Tee der Magiermogule versucht hatte. Als er mich nur fragen ansah, schenkte ich aus der Goldkanne mit dem entsprechenden Trinkspruch für Gift einen schmackhaften Kräutertee in zwei Pokale, aktivierte die Entgiftung auf meinem und gab ihm den anderen. Nachdem ich getrunken hatte und mich sichtbar entspannte, trank er ebenfalls.

Mein „Plan“ sah nun vor, dass er langsam Symptome zeigen würde, woraufhin ich freien Abzug mit allen Funden im Gegenzug zu seiner Heilung anbieten würde. Für nichts anderes würde ich, wenn überhaupt, jemandem Gift einflößen. Dummerweise nutzten die Magiermogule Gift nur für einen einzigen Zweck: Um ihre Gegner zu töten. Kaum hatte Horatio einen einzigen Schluck getrunken, griff er sich an die Kehle und kippte sofort mausetot um.

Die Zeit schien plötzlich unendlich langsam zu vergehen. Aufblickend sah ich in die entsetzten Gesichter der fünf Söldner, die mich über ihre Windenarmbrüste hinweg anstarrten. Wie in einer Vision hörte ich Horatios distinguierte Stimme wie er die Wachen vor dem Betreten des Zikkurates vermutlich instruiert hatte. Jetzt, viel zu spät, fiel mir ein was man Söldnern in einer solchen Situation üblicherweise befahl: „… Und wenn mir irgendetwas Komisches passiert, erschießt die Magier.“

Dröhnend laut schien das Klicken der fünf Armbrüste durch den Raum zu hallen. Dann schlugen drei der Bolzen in mich und einer in DeLinth ein. Dem zweiten konnte er wie durch ein Wunder gerade noch ausweichen.
Einen Moment wurde es schwarz um mich herum. Dann blickte ich auf meinen reglosen Körper hinunter. So etwas hatte ich noch nie erlebt. Bisher überkam mich bei schweren Verletzungen immer ein Gefühl der Ruhe und des Friedens, gefolgt vom leisen Flügelschlag Golgaris in der Ferne. Und kurz darauf dann natürlich meistens DeLinths besorgtes Gesicht, der mich wieder und wieder von der Schwelle des Todes riss.

Diesmal fühlte ich mich nur irgendwie… unerwünscht. Fehl am Platz. Vermutlich war es Einbildung, aber ich glaubte die Stimme meines Großvaters zu hören, die mir aus weiter Ferne zurief: „Torben… Torben Du bist ein Idiot!“.

Offensichtlich konnten meine Gefährten nur meinen Körper sehen und hören, denn trotz meines aufgeregten Rufens sich doch bitte zu ergeben um weiteres sinnloses Blutvergießen zu vermeiden, stürmte die Horde, angeführt von Thallian, auf die Söldner zu.

In der Unterzahl und ohne ihre übliche Rüstung recht schutzlos, sah es zuerst sehr schlecht für meine Gefährten aus. Jeweils zwei der gut gerüsteten und bewaffneten Elite-Söldner, ja ich hatte ganz vergessen, dass wir es hier nicht mit dem üblichen billigen Abschaum sondern mit den Thaluser Löwen zu tun hatten, schlugen auf Thallian und Leomar ein. Beide von den vielen Kämpfen und Fallen vorher noch deutlich angeschlagen. Salix erschien unseren Gegnern weniger gefährlich, denn nur einer trat ihm gegenüber. Hier hatten sie allerdings einen schweren Fehler gemacht! So nutzlos er gegen Dämonen und Untote mit seinem Degen auch oft zu sein scheint, gegen Menschen vermag er sich trefflich zu wehren. Ein Wirbel aus Hieben und Stichen prasselte auf seinen Gegner ein, dann blickte dieser plötzlich ungläubig auf die Klinge, die sich zwischen seinen Rüstungsteilen in seinen Leib gebohrt hatte. Immer noch verwirrt schauend fiel er zu Boden.

Derweil hatten Thallian und Leomar bereits erste Treffer hinnehmen müssen. Leomar benutzte eine mir völlig neue Technik mit der es ihm gelang mit blitzschnellen Schwüngen seines Tuzakmessers die Hiebe beider seiner Gegner zu parieren.

Salix Degen blieb nach einem weiteren äußerst geschickten Manöver in der der Ringrüstung des Söldners stecken. Als dieser sich drehte, brach er wieder heraus, wobei die Klinge ein wirklich hässliches Geräusch machte. Jede geringe Waffe wäre unter dieser Belastung in Tausend Stücke zersprungen, aber die von Zyklopen geschmiedete Waffe überstand die Tortur.

Thallian brüllte plötzlich auf. Erst dachte ich, er wäre wieder getroffen worden. Dann färbten sich seine Augen gelb und grüne Schuppen überzogen seinen Leib. Mit ungeahnter Wut stürmte er auf seine Gegner ein und trieb sie vor sich her. Die Treffer die er dabei einsteckte, schien er nicht zu bemerken. Ein Arm fiel schlapp herunter, ein langer Schnitt an seiner Seite färbte den Boden des Raumes mit Blut.

Als sein zweiter Gegner zu Boden stürzte, stürzte er sich jedoch nicht auf den nächsten. Nein, er riss mit einer Hand dessen Kettenhemd auseinander, fuhr mit einer plötzlich von Klauen strotzenden Hand in dessen Brustkorb und zog das noch schlagende Herz heraus. Mit einem wilden Heulen, schlug er die Zähne hinein und fraß es!

Währendessen fiel Leomar unter den Schwerthieben seiner beiden Gegner. Salix trat an seine Stelle und entledigte sich eines davon mit einem geschickten Todesstoß durch die Achselhöhle.

Als sich DeLinth, der sich bisher damit beschäftigt hatte die restlichen drei Astraltränke zu holen und zu trinken, ebenfalls in den Kampf stürzte, war das Ende der Söldner besiegelt.

Als Leomars’s letzter Gegner von Salix durchbohrt ebenfalls fiel, fetzte er auch diesem mit beiden Händen das Kettengeflecht auseinander und riss ihm das Herz heraus und aß es. Mir fiel auf, dass er wieder beide Arme bewegen konnte. Nun stürzte er sich auf den nächsten am Boden liegenden Gegner. Und den nächsten… Meine Gefährten bekamen es langsam mit der Angst zu tun. Fast schon panisch, zogen sie meinen und Leomars Körper zur Seite und bereiteten sich sichtlich darauf vor, diese notfalls gegen den wütenden „Thallian“ zu verteidigen. Nach dem fünften Herzen brach dieser jedoch ohnmächtig zusammen. Was für eine echsische Teufelei war denn das nun wieder? Und wie stand Rondra wohl dazu ohnmächtigen hilflosen Gegnern das lebende Herz heraus zu reißen?
Langsam verschwanden die Schuppen, die ihn überall bedeckt hatten.

Meine Sicht trübte sich zusehends und aus der Ferne konnte ich leise Golgaris Schwingen hören. DeLinth stand einen Moment ratlos zwischen mir und Leomar. Keiner von uns sah so aus, als würde er die Dauer die er zur Rettung des anderen brauchen würde überleben. Eben wollte er sich schon mir zu wenden, als er sich an die Stirn schlug und Leomar mit einem schnellen Paralü versteinerte. Das würde ihn lange genug am Leben halten.

Dann wurde es schwarz um mich. Später erfuhr ich, dass DeLinth zuerst mich und dann Leomar aus Borons Griff gerissen und anschließend zu den restlichen Söldnern nach draußen gegangen war. Ohne große Probleme hatte er diese wohl davon überzeugt, dass sie zu gering bezahlt wurden, um sich mit uns anzulegen. Mit dem Gold aus der Grabkammer bot er ihnen eine großzügige Abfindung sich zu entfernen.
Als er die Grabungsmannschaft aus einheimischen Bauern mit ganzen drei Goldmünzen aufkaufte und heimschickte, kam es zwischen diesen um die Goldmünzen zu einer Massenschlägerei. Danach zogen aber auch diese davon.

Danach befreite er Firunja aus dem Zelt in dem Horatio sie gefangen gehalten hatte.

Es verging noch einige Zeit, bis ich wieder zu mir kam. Abends nahm Firunja mich während meiner Wache kurz zur Seite, um mir unter dem Siegel der Verschwiegenheit noch etwas zu erzählen. Offensichtlich war im Lager des Grabräubers nicht alles so gewesen wie es zu sein schien. Die „Gespielin“ von Horatio stellte sich als die uns bekannte alte Hexe Achaz saba Arrataz heraus. Nur dass diese nicht mehr alt und hässlich, sondern durchaus ansehnlich war. Die gespaltene Zunge war ihr allerdings als Markenzeichen geblieben. Das erste Mal hatten wir sie bei der Höhle der Oberhexe Luzelin getroffen und dort vertrieben. Damals hatte sie versucht DeLinth mit einem Zauber zu bewegen, ihre Füße zu küssen. An DeLinth’s voll hochgefahrenen geistigen Abwehrtechniken biss sie sich jedoch die Zähne aus.

Diesmal jedoch hatte DeLinth keinen Grund gehabt sie zu verdächtigen, etwas anderes als die verschleierte schüchterne Gespielin des Grabräubers zu sein. Als er ihr von seinem Tod erzählte, rechnete er wohl mit einem Heulkrampf. Dass sie ihm kurz an die Stirn tippte und ihm befahl ihr die Füße zu küssen kam völlig unerwartet. Firunja meinte die Hexe hätte ihn derartig überrumpelt, dass sie seinen Geist völlig unterjochen konnte, bevor er die geringste Chance hatte zu reagieren. Sie erzählte mir, wie mein Freund über eine Stunde aufs Tiefste gedemütigt und erniedrigt wurde. Einige „Dinge“ deutete selbst Firunja nur an, aber das genügte schon, um bei mir heftigsten Brechreiz hervor zu rufen. Das Küssen und letztendlich ablecken ihrer dreckigen verschwitzten Füße, das Apportieren von Stöckchen wie ein Hund und das nackte „hinter dem eigenen Schwanz herjagen“ waren dabei noch vergleichsweise harmlose Neckereien. Zum Abschluss fütterte sie ihn noch als „braves Hündchen“ mit den Abfällen des Mittagsmahles, die sie extra aus der Abfallgrube hinter dem Zelt hervor holte. Unter dem Bann des Zaubers, hechelte er „Männchen“ machend jedem Bissen hinterher.

Als Firunja mit ihrer Erzählung fertig war, blieb mir nur übrig ungläubig den Kopf zu schütteln. Nichts, aber auch gar nichts hatte man DeLinth angemerkt, als er zu uns zurückkam. Er musste diese Erniedrigungen tief in sich hinein gefressen haben. Aber spurlos konnte das selbst an einem so gefassten Mann nicht vorbei gehen. Firunja hatte beschlossen so zu tun, als hätte sie unter dem Bann der sie gefangen hielt nichts mitbekommen. Sie befürchtete jedoch, er könne unter der Last dieser Erinnerung irgendwann unter Stress oder bei einer erneuten Begegnung mit Achaz höchstwahrscheinlich völlig ausrasten. Daher hatte sie mich, als seinen besten Freund und langjährigen Begleiter eingeweiht. Mir fiel vorerst nichts ein was man tun könnte. Keinesfalls durften wir ihn auf die Ereignisse ansprechen und zugeben, dass es Zeugen gab. Nicht auszudenken wie er reagieren würde.