Aus dem Tagebuch des Magiers Torben ibn Abdul ibn Alhazred:
13 Travia 26 Hal
In der Zikkurat von Schemscherib
Nachdem ich erst von den Nachwirkungen der schrecklichen Fallgrube
geheilt worden war, wollte ich mich bei dem Kampf gegen die Mumie
eigentlich heraus halten. Als meine Gefährten jedoch wenig
auszurichten schienen und Salix wie immer mit seinem Zahnstocher gegen
Untote, Dämonen oder Golems praktisch wehrlos war, ging mir
die Geduld aus. Mit einem lauten tulamidischen Kriegsschrei wirkte ich
mal wieder einen Attributo aus meinem Stab und stürmte mit
unbändiger Kraft in die Schlacht. Im Vorbeirennen nutzte ich
einen weiteren Stabspeicherzauber, um Thallian eine magische
Rüstung zu verleihen. Mit seinem doch sehr offensiven
Kampfstil ist er ohne Rüstung stark im Nachteil. Gemeinsam
prügelten wir die Wächtermumie dann ohne
große Finessen in Stücke.
Nachdem wir sie endlich besiegt hatten, waren die Statuen, wie von
Leomar erwartet, zum Leben erwacht. Hätte er nicht schon
während dem Kampf angefangen diese umzuwerfen, hätten
sie uns vermutlich ausgelöscht. So waren die einzig
übrig gebliebene Statue nur Beute für unsere
Schwerter und Stäbe.
DeLinth fand beim Herumwühlen in den Eingeweiden der Mumie
dann auch noch die Quelle des starken magischen Leuchtens das ihm bei
seinem eigenen Oculus aufgefallen war. Einen Kristall mit seltsamen
Matrixfragmenten. Irgendwie unvollständig. Für eine
nähere Analyse war keine Zeit, also nahmen wir ihn erstmal mit.
Jetzt kam ich mit meiner magischen Sicht ins Spiel. Die Zikkurat
wimmelte nur so von magischen Fallen, wie man es bei der
Begräbnisstätte eines Magiermoguls auch erwarten
sollte.
Unsere vorwitzigen Krieger wollten schon durch die nächste
Türe stürmen, als ich sie bat doch erst nach Fallen
suchen zu dürfen. Und tatsächlich, die
Türklinke würde statt irgendetwas zu öffnen
nur drei mal täglich einen Feuerball zünden. Eine
eigentliche Tür existierte nicht, aber in den Ornamenten
verborgen fand ich die Arcanoglyphe mit dem Zauberzeichen
„Zähne des Feuers“. Eine Glyphe die nach
der Auslösung das Material auf dem sie angebracht ist
vernichtet. Nur war diese unvollständig. DeLinth schlug sofort
den Kristall als Lösung vor und nachdem ich die in ihm
enthaltenen Matrixfragmente in der Lücke ausgerichtet hatte,
verbrannte die steinerne Türe vor unseren Augen. Die
herunterfallende Klinke hatte dabei Ihre Magie verloren, was alle sehr
schade fanden. Als tragbare Falle wäre sie sicher noch mal
nützlich gewesen.
Dahinter fanden wir Treppenstufen die zu einem reich
geschmückten Raum führten. Augenscheinlich hatte der
Magiermogul hier in den Wänden die Gegenstände
eingravieren lassen, auf die er auch im Jenseits nicht verzichten
wollte. Tontäfelchen mit Namen und Daumenabdruck versicherten
ihm die Dienste seiner Diener auch im Jenseits, ein Labor und eine
Bibliothek waren geschickt perspektivisch in die Wände links
und rechts graviert. Gegenüber sahen wir eine
Wüstenlandschaft mit einem Palast. In dieser Wand schien sich
etwas wie eine Türe zu befinden. Unter dem Oculus nahm ich
deutliche Tarnmagie wahr, die meinen Blick verschleierte.
Außerdem war praktisch alles hier magisch. Ein Punkt an der
linken Wand erregte jedoch meine Aufmerksamkeit. Hier konnte man sicher
einen Zugang öffnen. Ich bat die anderen zurück zu
treten und berührte den Punkt. Oder zumindest versuchte ich
es. Noch ein Stück vor der Wand erstarrte mein Körper
zur völligen Regungslosigkeit.
Oh ich Sohn der Unvorsicht! Hatte ich doch unter all der Magie das in
den Gravuren von alchemistischen Geräten und Möbeln
verborgene Zeichen des Basilisken übersehen. Aber sicher
würden meine Gefährten mich schnell aus dieser
peinlichen Situation retten.
Nichts konnte ich bewegen, aber meine Augen sahen weiter in dieselbe
Richtung. In meinem Sichtfeld tauchte mein Kollege DeLinth auf um mir
wohl in die Augen zu sehen. Warum auch immer. Jedenfalls geriet er
dabei selbst in die Falle und ich hatte die nächsten paar
Minuten das Vergnügen, sein besorgtes Gesicht studieren zu
dürfen. Er konnte weder sprechen noch gestikulieren, aber wenn
er geistig ebenso wach war wie ich, würde er vielleicht trotz
allem einen Gegenzauber wirken können. Der
„Verwandlungen beenden“ kann nicht auf den Anwender
gewirkt werden, jedoch konnte er mich befreien.
Bevor allerdings irgendwelche magischen Versuche spürbar
wurden, wirbelte mein Sichtfeld durcheinander und bewegte sich.
Wie ich sehen konnte stand auch Salix versteinert im Raum. Thallian und
Leomar zogen soeben auch DeLinth aus der Reichweite der Falle und
standen danach etwas ratlos in der Gegend herum. DeLinth konnte mich
nicht mehr sehen, da man ihn von mir weg gedreht hatte. So konnte er
nicht einmal versuchen mich zu verwandeln. Kein Spruch der
Kommunikation oder Illusion den ich kannte war mir so
geläufig, dass ich ihn ohne Gesten und Worte hätte
auch nur versuchen können. Selbst der Flim Flam wäre
mir unter diesen Umständen schwer gefallen. Zunehmend
frustriert konnte ich nur untätig abwarten bis die Wirkung von
alleine verging. Über eine Stunde später war es dann
soweit.
Nach einigen vorsichtigen Untersuchungen, zeichnete ich die
hinterhältige Glyphe sowie die dazu gehörigen
Astralmuster gründlich ab. Auch wenn meine Gefährten
dabei nervös um mich herum trippelten. Danach zerkratzte ich
eine wichtige Primärlinie mit einem der Säbel der
Wächter. Als das Astralmuster zerfaserte rechnete ich
eigentlich mit einer bösartigen Feuerlanze die mich
durchbohrte oder ähnlichem. Nun, zugegeben, die Idee kam mir
erst, als es für Gegenmaßnahmen wie einen Gardianum
schon zu spät war.
Stattdessen verschleierte sich meine Sicht und der Geschmack von Sand
erfüllte Nase und Mund. Aus unzähligen
Löchern in der Decke rieselte im gesamten Raum feinster Sand
herunter. Durch den Staub konnte man sofort kaum noch etwas sehen. Zum
Glück konnte ich mich an der Wand entlang zurück zur
Türe tasten. Hier stieß ich allerdings auf eine
unangenehme Überraschung. Nach dem Stein des
Türrahmens glitten meine Finger über eine harte,
glatte Oberfläche die meine Hand leicht kribbeln lies. Ein
Fortifex versperrte den Ausgang. Mühsam unterdrückte
ich meine aufkeimende Panik. Es musste doch einen Ausweg geben!
Sand… Erz… Natürlich! Ich rief Jalef,
den Erz-Djinn meines Amulettes und befahl ihm hustend und bereits
knietief im Sand begraben, diesen zu entfernen und das weitere
Hereinrieseln zu unterbinden. Da er seine künstlerische Ader
hier nicht ausleben konnte, reagierte er ungewöhnlich
quengelig und meckerte laufend herum wie viel Sand dies doch sei und
was für eine schwere Arbeit. Aber er tat sein Werk und bald
floss der Sand nach Oben durch die Löcher hinaus, welche er
daraufhin mit Erzbrocken verschloss. Jeder wie eine andere
Wüstenblume geformt. Dieser alte Angeber.
Nun war guter Rat teuer. Eigentlich hatten wir in dem Bild des Palastes
eine Tür erwartet, aber als wir näher kamen war keine
zu finden. Genervt murmelte DeLinth was von lästigen
Tarnzaubern und konzentrierte sich sichtbar. Dann grinste er und
verkündete eine Türe zu sehen. Erst als er mich mit
einem Psychostabilis belegte, konnte ich diese ebenfalls erkennen. Das
legendäre Ungesehene Zeichen der Magiermogule! Eine Glyphe die
schon seit Urzeiten ganze Tempel vor Beobachtern verbergen soll!
Neben dieser Glyphe enthielt die Türe noch Glyphen zur Bannung
aller sechs Elemente. Zuerst verwirrte mich dies. Welchen Effekt sollte
das denn hervorrufen? Dann fiel mir der, von mir bisher noch nicht
aktiv genutzte, Nebeneffekt dieser Glyphen ein. Schutz vor elementarem
Schaden. Der Oculus enthüllte darüber hinaus ein
Schloss mit einem extrem starken Bannzauber gegen Telekinese. Der
Foramen würde uns hier wohl nicht weiterbringen. Nach einiger
Diskussion versuchte Salix die für ihn immer noch unsichtbare
Türe mit verbundenen Augen zu knacken. Ich führte
seine Finger bis er das Schloss mit seinen Dietrichen gefunden hatte,
danach kam er gut allein zurecht. Überraschend schnell
öffnete sich dieses scheinbar letzte Hindernis.
Nun betraten wir die eigentliche Grabkammer. Die Wände waren
mit leuchtenden Glyphen bedeckt, deren Licht von unzähligen
Edelsteinen in der Decke widergespiegelt wurde. Das Ganze stellte eine
Nachbildung des Sternenhimmels dar.
Darunter waren ein reich verzierter Aufenthaltsraum im Vordergrund und
eine Schlafkammer mit einem riesigen versteinerten Bett im Hintergrund.
Auf diesem Marmorbett lagen die magische Statue des Magiermoguls und
dreier sehr anziehender Konkubinen. Die vorhandenen magischen
Restspuren ließen mich auf den Schluss kommen, dass der Mogul
sich wohl kurz vor oder nach seinem Tot hatte versteinern lassen. Und
danach auch seine liebsten Konkubinen. Ich verkündete daher,
dass der Mogul technisch gesehen noch leben würde und daher
dies offensichtlich keine Grabstätte sei. Wir konnten daher
nach Herzenslust plündern.
Eine Statue eines versteinerten Diebes der die Hand noch in einer
Schatztruhe hatte, stellte sich als völlig unmagische Attrappe
heraus. Nette Idee. Hatte tatsächlich vor meiner Analyse sogar
meine gierigen Gefährten von den zahlreichen Edelsteinen und
Goldstücken abgehalten. Ich selbst hatte aus rein
wissenschaftlichen Gründen einige Edelsteine mit Motorikus aus
ihrer Kiste entnommen. Ohne negative Auswirkungen. Nun, wenn man von
einem heftigen Hieb von DeLinth auf meinen Hinterkopf absah. Er hat
manchmal überhaupt kein Verständnis für
wissenschaftliche Forschung!
Am Boden zweier Truhen fand ich noch die Glyphen des verfluchten
Goldes. Daher stürzten wir diese einfach um und entnahmen so
schadlos die wertvollen Inhalte. Insgesamt fanden wir Gold und
Edelsteine im Wert von sicher über 3000 Dukaten, sowie einen
Mondstein und einige Tontäfelchen mit dem Zeichen Bastrabun's.
Leider waren zwei davon beim Umstürzen der Truhen zerbrochen
und würden eine langwierige Puzzelei erfordern.
Bevor wir unsere Untersuchung beendet hatten, ertönte
plötzlich ein Warnruf von Leomar. Er hatte erkannt, dass das
scheinbare Mosaik mit dem riesigen Skorpion in Wahrheit aus
unzähligen inaktiven kleinen Skorpionen bestand.
Während er noch versuchte alle zu Staub zu zertreten, erhob
sich der ganze Schwarm, wirbelte durch den Raum und vereinte sich zu
einem riesigen dämonischen Skorpion. Natürlich griff
uns dieser letzte Wächter des Raumes sofort an.
Thallian und Leomar schlugen tapfer und unentwegt auf die Bestie ein.
Allerdings richteten ihre nichtmagischen Waffen bei dem Schwarmwesen
nur wenig Schaden an.
Mit einem lauten „Rondra hilf!“ beschwor Thallian
seine Göttin und Schlug erneut zu. Leider wieder ohne
nennenswerten Schaden. Als ihn der Skorpion daraufhin allerdings mit
einem mächtigen Hieb seiner Schere traf, zerfiel diese in
tausend tote Skorpione. Im Gegensatz zu den anderen Verletzungen die
wir der Kreatur im Laufe des Kampfes noch zufügten, blieb die
Schere auch vernichtet. Dieses weitere Zeichen, dass er wieder in der
Gnade seiner Herrin stand, spornte den Krieger noch weiter an.
DeLinth wurde von dem Skorpionsschwanz getroffen, dann wurde Thallian
von einem mächtigen Hieb durch den Raum gewirbelt. Salix kam
nun plötzlich von der Seite angerannt und schwang…
einen Stuhl! Bevor ich ihn noch anfahren konnte den Blödsinn
zu lassen und sich mein Bannschwert zu leihen, donnerte der Stuhl in
das Schwarmwesen und richtete hier deutlich mehr Schaden an, als unsere
bisherigen Versuche.
Ich beschwor daraufhin meinen Flammen-Khunchomer und hieb mit der
brennenden Breitseite wieder und wieder in den Schwarm.
Von hinten donnerte nun eine breit gefächerte Flammenlanze
nach der anderen an mir vorbei. DeLinth setzte der Kreatur mit dem
systematischen Abfackeln ihrer Beine heftig zu.
Ein Moment der Achtlosigkeit brachte mir einen schmerzhaften Hieb ein.
Leomar ging kurz darauf nach bestimmt dem dritten oder vierten schweren
Treffer zu Boden.
Wenige Hiebe später brach die dämonische Kreatur
zusammen.
DeLinth stürzte zu Leomar und holte ihn mit einem
mächtigen Balsam von der Schwelle des Todes zurück.
Nachdem wir unsere Wunden verbunden hatten, durchsuchten wir den Raum.
Während meine Gefährten die Beute in handliche
Säcke und Truhen verpackten, untersuchte ich die magischen
Utensilien und Schätze die um das Marmorbett herum aufgestellt
waren.
Eine Brosche mit Sapefakta und Weihrauch, anwendbar 1x Täglich.
Ein Djinnenring mit einem Djinn des Wassers. Eine Anwendung, Aufladbar.
Ein Amulett mit drei aufladbaren Invercano Ladungen.
Ein Ring mit einem kräftigen Attributo auf das Charisma des
Trägers. Anwendbar 1x Täglich! Thallian
stürzte sofort herbei als ich dies während meiner
Untersuchung laut vor mich hin murmelte. Der doch inzwischen etwas
vernarbte und in die Jahre gekommene Krieger sorgte sich schon lange,
dass seine Ausstrahlung nicht mehr ausreichte, um seine
Zuhörer bei seinen Bekehrungsversuchen ausreichend zu
überzeugen. Insgeheim vermute ich ja, dass es ihm mehr um
bessere Chancen beim zarten Geschlecht geht…
Da ihn sonst niemand haben wollte, steckte er sich den Ring gleich mal
an. Ich würde später noch den Auslöser
ausknobeln.
Eine Lupe mit 2 wöchentlichen Anwendungen des Xenographus kam
mir sehr gelegen. Mit dem Spruch hatte ich immer noch so meine
Probleme. Außerdem denke ich, dass unser neugieriger Salix
damit vielleicht etwas anfangen kann.
Eine Anstecknadel und ein Ohrclip stellten mich erst vor ein
Rätsel, dann erkannte ich, dass das eine Artefakt
Töne zum anderen leiten würde. Reichweite vermutlich
um die 8 Meilen. Ebenfalls 2x Wöchentlich anwendbar.
Zu guter letzt fanden wir eine Speckstatue von Bastrabun mit einer
stark vergrößerten linken Hand. Wir hatten ja
erfahren, dass für das Ritual aus mir noch immer unklaren
Gründen Bastrabun's linke Hand erforderlich sei. Vielleicht
war dies ja die gesuchte Hand? Einen mumifizierten Überrest
konnte ich mir nicht so richtig als Bestandteil des mächtigen
Bannzaubers vorstellen.
Während wir noch mit dem Verpacken beschäftigt waren,
hörten wir hinter uns plötzlich jemanden leise
applaudieren. Sofort drehten wir uns um. Am Eingang stand niemand
anderes als dieser nichtsnutzige Horatio di Bravaldi zusammen mit
fünf grinsenden Söldnern mit gespannten
Windenarmbrüsten.
Er gratulierte uns die Fallen überlebt zu haben und forderte
die Herausgabe des Mondsteines und der Tontafeln. Gold, Edelsteine und
Artefakte interessierten ihn scheinbar nicht.
Er gab an Bastrabuns Bann als erster entschlüsseln zu wollen,
zu seinem Ruhm und dem des Institutes der Arkanen Analyse zu Kuslik.
Wie schon mehrfach musste ich wegen einiger Reste des feinen Sandes
Husten. Horatio erlitt ebenfalls einen leichten Hustenanfall,
allerdings zeigte sich auf seinem Taschentuch Blut. Auf meine Nachfrage
meinte er, an einer Krankheit zu leiden die nicht zu heilen sei. Man
hätte bereits alles versucht.
Hier kam mir plötzlich eine „geniale“
Idee. Vielleicht waren es die langwierigen Analysen die mir den Geist
vernebelten oder die Tatsache, dass wir hier in der Nähe einer
Wüste waren, was mir ja immer schon Unglück brachte.
Jedenfalls hatte ich zuletzt noch ein Service mit einer Goldkanne und
sechs Goldpokalen untersucht. Die Kanne konnte einmal im Monat ein beliebiges
Getränk beschwören, auf Wunsch auch vergiftet. Die
Pokale dagegen konnten mit einem Abvenenum das Gift jeweils pro Pokal einmal
im Monat wieder entfernen, wenn man die richtigen drei Juwelen berührte.
Ich fragte Horatio, ob er denn schon den heilenden Tee der Magiermogule
versucht hatte. Als er mich nur fragen ansah, schenkte ich aus der
Goldkanne mit dem entsprechenden Trinkspruch für Gift einen
schmackhaften Kräutertee in zwei Pokale, aktivierte die
Entgiftung auf meinem und gab ihm den anderen. Nachdem ich getrunken
hatte und mich sichtbar entspannte, trank er ebenfalls.
Mein „Plan“ sah nun vor, dass er langsam Symptome
zeigen würde, woraufhin ich freien Abzug mit allen Funden im
Gegenzug zu seiner Heilung anbieten würde. Für nichts
anderes würde ich, wenn überhaupt, jemandem Gift
einflößen. Dummerweise nutzten die Magiermogule Gift
nur für einen einzigen Zweck: Um ihre Gegner zu
töten. Kaum hatte Horatio einen einzigen Schluck getrunken,
griff er sich an die Kehle und kippte sofort mausetot um.
Die Zeit schien plötzlich unendlich langsam zu vergehen.
Aufblickend sah ich in die entsetzten Gesichter der fünf
Söldner, die mich über ihre Windenarmbrüste
hinweg anstarrten. Wie in einer Vision hörte ich Horatios
distinguierte Stimme wie er die Wachen vor dem Betreten des Zikkurates
vermutlich instruiert hatte. Jetzt, viel zu spät, fiel mir ein
was man Söldnern in einer solchen Situation
üblicherweise befahl: „… Und wenn mir
irgendetwas Komisches passiert, erschießt die
Magier.“
Dröhnend laut schien das Klicken der fünf
Armbrüste durch den Raum zu hallen. Dann schlugen drei der
Bolzen in mich und einer in DeLinth ein. Dem zweiten konnte er wie
durch ein Wunder gerade noch ausweichen.
Einen Moment wurde es schwarz um mich herum. Dann blickte ich auf
meinen reglosen Körper hinunter. So etwas hatte ich noch nie
erlebt. Bisher überkam mich bei schweren Verletzungen immer
ein Gefühl der Ruhe und des Friedens, gefolgt vom leisen
Flügelschlag Golgaris in der Ferne. Und kurz darauf dann
natürlich meistens DeLinths besorgtes Gesicht, der mich wieder
und wieder von der Schwelle des Todes riss.
Diesmal fühlte ich mich nur irgendwie…
unerwünscht. Fehl am Platz. Vermutlich war es Einbildung, aber
ich glaubte die Stimme meines Großvaters zu hören,
die mir aus weiter Ferne zurief: „Torben… Torben
Du bist ein Idiot!“.
Offensichtlich konnten meine Gefährten nur meinen
Körper sehen und hören, denn trotz meines aufgeregten
Rufens sich doch bitte zu ergeben um weiteres sinnloses
Blutvergießen zu vermeiden, stürmte die Horde,
angeführt von Thallian, auf die Söldner zu.
In der Unterzahl und ohne ihre übliche Rüstung recht
schutzlos, sah es zuerst sehr schlecht für meine
Gefährten aus. Jeweils zwei der gut gerüsteten und
bewaffneten Elite-Söldner, ja ich hatte ganz vergessen, dass
wir es hier nicht mit dem üblichen billigen Abschaum sondern
mit den Thaluser Löwen zu tun hatten, schlugen auf Thallian
und Leomar ein. Beide von den vielen Kämpfen und Fallen vorher
noch deutlich angeschlagen. Salix erschien unseren Gegnern weniger
gefährlich, denn nur einer trat ihm gegenüber. Hier
hatten sie allerdings einen schweren Fehler gemacht! So nutzlos er
gegen Dämonen und Untote mit seinem Degen auch oft zu sein
scheint, gegen Menschen vermag er sich trefflich zu wehren. Ein Wirbel
aus Hieben und Stichen prasselte auf seinen Gegner ein, dann blickte
dieser plötzlich ungläubig auf die Klinge, die sich
zwischen seinen Rüstungsteilen in seinen Leib gebohrt hatte.
Immer noch verwirrt schauend fiel er zu Boden.
Derweil hatten Thallian und Leomar bereits erste Treffer hinnehmen
müssen. Leomar benutzte eine mir völlig neue Technik
mit der es ihm gelang mit blitzschnellen Schwüngen seines
Tuzakmessers die Hiebe beider seiner Gegner zu parieren.
Salix Degen blieb nach einem weiteren äußerst
geschickten Manöver in der der Ringrüstung des
Söldners stecken. Als dieser sich drehte, brach er wieder
heraus, wobei die Klinge ein wirklich hässliches
Geräusch machte. Jede geringe Waffe wäre unter dieser
Belastung in Tausend Stücke zersprungen, aber die von Zyklopen
geschmiedete Waffe überstand die Tortur.
Thallian brüllte plötzlich auf. Erst dachte ich, er
wäre wieder getroffen worden. Dann färbten sich seine
Augen gelb und grüne Schuppen überzogen seinen Leib.
Mit ungeahnter Wut stürmte er auf seine Gegner ein und trieb
sie vor sich her. Die Treffer die er dabei einsteckte, schien er nicht
zu bemerken. Ein Arm fiel schlapp herunter, ein langer Schnitt an
seiner Seite färbte den Boden des Raumes mit Blut.
Als sein zweiter Gegner zu Boden stürzte, stürzte er
sich jedoch nicht auf den nächsten. Nein, er riss mit einer
Hand dessen Kettenhemd auseinander, fuhr mit einer plötzlich
von Klauen strotzenden Hand in dessen Brustkorb und zog das noch
schlagende Herz heraus. Mit einem wilden Heulen, schlug er die
Zähne hinein und fraß es!
Währendessen fiel Leomar unter den Schwerthieben seiner beiden
Gegner. Salix trat an seine Stelle und entledigte sich eines davon mit
einem geschickten Todesstoß durch die Achselhöhle.
Als sich DeLinth, der sich bisher damit beschäftigt hatte die
restlichen drei Astraltränke zu holen und zu trinken,
ebenfalls in den Kampf stürzte, war das Ende der
Söldner besiegelt.
Als Leomars’s letzter Gegner von Salix durchbohrt ebenfalls
fiel, fetzte er auch diesem mit beiden Händen das
Kettengeflecht auseinander und riss ihm das Herz heraus und
aß es. Mir fiel auf, dass er wieder beide Arme bewegen
konnte. Nun stürzte er sich auf den nächsten am Boden
liegenden Gegner. Und den nächsten… Meine
Gefährten bekamen es langsam mit der Angst zu tun. Fast schon
panisch, zogen sie meinen und Leomars Körper zur Seite und
bereiteten sich sichtlich darauf vor, diese notfalls gegen den
wütenden „Thallian“ zu verteidigen. Nach
dem fünften Herzen brach dieser jedoch ohnmächtig
zusammen. Was für eine echsische Teufelei war denn das nun
wieder? Und wie stand Rondra wohl dazu ohnmächtigen hilflosen
Gegnern das lebende Herz heraus zu reißen?
Langsam verschwanden die Schuppen, die ihn überall bedeckt
hatten.
Meine Sicht trübte sich zusehends und aus der Ferne konnte ich
leise Golgaris Schwingen hören. DeLinth stand einen Moment
ratlos zwischen mir und Leomar. Keiner von uns sah so aus, als
würde er die Dauer die er zur Rettung des anderen brauchen
würde überleben. Eben wollte er sich schon mir zu
wenden, als er sich an die Stirn schlug und Leomar mit einem schnellen
Paralü versteinerte. Das würde ihn lange genug am
Leben halten.
Dann wurde es schwarz um mich. Später erfuhr ich, dass DeLinth
zuerst mich und dann Leomar aus Borons Griff gerissen und
anschließend zu den restlichen Söldnern nach
draußen gegangen war. Ohne große Probleme hatte er
diese wohl davon überzeugt, dass sie zu gering bezahlt wurden,
um sich mit uns anzulegen. Mit dem Gold aus der Grabkammer bot er ihnen
eine großzügige Abfindung sich zu entfernen.
Als er die Grabungsmannschaft aus einheimischen Bauern mit ganzen drei
Goldmünzen aufkaufte und heimschickte, kam es zwischen diesen
um die Goldmünzen zu einer Massenschlägerei. Danach
zogen aber auch diese davon.
Danach befreite er Firunja aus dem Zelt in dem Horatio sie gefangen
gehalten hatte.
Es verging noch einige Zeit, bis ich wieder zu mir kam. Abends nahm
Firunja mich während meiner Wache kurz zur Seite, um mir unter
dem Siegel der Verschwiegenheit noch etwas zu erzählen.
Offensichtlich war im Lager des Grabräubers nicht alles so
gewesen wie es zu sein schien. Die „Gespielin“ von
Horatio stellte sich als die uns bekannte alte Hexe Achaz saba Arrataz
heraus. Nur dass diese nicht mehr alt und hässlich, sondern
durchaus ansehnlich war. Die gespaltene Zunge war ihr allerdings als
Markenzeichen geblieben. Das erste Mal hatten wir sie bei der
Höhle der Oberhexe Luzelin getroffen und dort vertrieben.
Damals hatte sie versucht DeLinth mit einem Zauber zu bewegen, ihre
Füße zu küssen. An DeLinth’s voll
hochgefahrenen geistigen Abwehrtechniken biss sie sich jedoch die
Zähne aus.
Diesmal jedoch hatte DeLinth keinen Grund gehabt sie zu
verdächtigen, etwas anderes als die verschleierte
schüchterne Gespielin des Grabräubers zu sein. Als er
ihr von seinem Tod erzählte, rechnete er wohl mit einem
Heulkrampf. Dass sie ihm kurz an die Stirn tippte und ihm befahl ihr
die Füße zu küssen kam völlig
unerwartet. Firunja meinte die Hexe hätte ihn derartig
überrumpelt, dass sie seinen Geist völlig unterjochen
konnte, bevor er die geringste Chance hatte zu reagieren. Sie
erzählte mir, wie mein Freund über eine Stunde aufs
Tiefste gedemütigt und erniedrigt wurde. Einige
„Dinge“ deutete selbst Firunja nur an, aber das
genügte schon, um bei mir heftigsten Brechreiz hervor zu
rufen. Das Küssen und letztendlich ablecken ihrer dreckigen
verschwitzten Füße, das Apportieren von
Stöckchen wie ein Hund und das nackte „hinter dem
eigenen Schwanz herjagen“ waren dabei noch vergleichsweise
harmlose Neckereien. Zum Abschluss fütterte sie ihn noch als
„braves Hündchen“ mit den
Abfällen des Mittagsmahles, die sie extra aus der Abfallgrube
hinter dem Zelt hervor holte. Unter dem Bann des Zaubers, hechelte er
„Männchen“ machend jedem Bissen hinterher.
Als Firunja mit ihrer Erzählung fertig war, blieb mir nur
übrig ungläubig den Kopf zu schütteln.
Nichts, aber auch gar nichts hatte man DeLinth angemerkt, als er zu uns
zurückkam. Er musste diese Erniedrigungen tief in sich hinein
gefressen haben. Aber spurlos konnte das selbst an einem so gefassten
Mann nicht vorbei gehen. Firunja hatte beschlossen so zu tun, als
hätte sie unter dem Bann der sie gefangen hielt nichts
mitbekommen. Sie befürchtete jedoch, er könne unter
der Last dieser Erinnerung irgendwann unter Stress oder bei einer
erneuten Begegnung mit Achaz höchstwahrscheinlich
völlig ausrasten. Daher hatte sie mich, als seinen besten
Freund und langjährigen Begleiter eingeweiht. Mir fiel vorerst
nichts ein was man tun könnte. Keinesfalls durften wir ihn auf
die Ereignisse ansprechen und zugeben, dass es Zeugen gab. Nicht
auszudenken wie er reagieren würde.