Abschlussbericht Mission Al'Anfa
Aus dem geheimen Tagebuch von Rodrik Bannwäldner:
02. Efferd 26 Hal
Akademie Armida
Die Spektabilitäten sind immer noch nicht wieder aufgetaucht.
Vermutlich treiben die sich weiterhin auf Maraskan herum. Meine Studien
verlaufen aktuell nicht besonders erfolgreich. Es fehlt einfach an der
Praxis! Das Verbannen von Dämonen kann ich in der Theorie aus
dem Handgelenk, aber bevor ich einmal leibhaftig einem Dämon
gegenübergestanden habe, werde ich nie wissen ob ich den
Pentagramma auch sprechen kann, während ein Monster mit Klauen
und Zähnen versucht in meinen Schutzkreis einzudringen.
4. Efferd 26 Hal
Der alte ibn Jassafer hat heute Besuch von einem Mitarbeiter der KGIA
namens Travin Gerdenwald bekommen. Offenbar brauchen die für
eine Mission in Süd-Aventurien einen Berater mit Kenntnissen
auf dem Gebiet der Schwarzmagie, Nekromantie und
Dämonenbeschwörung. Und die vorhandenen magisch
begabten Feldagenten sind alle bereits im Einsatz. Ibn Jassafer schlug
mich als möglichen Kandidaten vor. Vorausgesetzt, ich
würde mich für einen solchen Einsatz freiwillig
melden.
Die Gelegenheit kann ich mir natürlich nicht entgehen lassen!
Endlich eine Gelegenheit mein Bücherwissen anzuwenden! Endlich
mal ein bischen Abenteuer!
Habe bei den anderen Adepten rumgefragt, aber keiner will mit.
Eigentlich dachte ich, unsere Südaventurier würden
mitwollen, aber Hasan ist in seine eigenen Studien vertieft und
schwitzt grade über den echsischen Büchern und Mobuto
hat Angst dort unten wieder in Sklaverei zu geraten oder von
abergläubischen Mohas ermordet zu werden.
5. Efferd 26 Hal
Habe mich gut mit diesem KGIA Agenten unterhalten. Er hat gerade die
Aufgabe bekommen zusätzliche Mitarbeiter anzuwerben, da die
KGIA gerade nicht mehr weiß, wo sie zuerst nachforschen soll.
Offenbar ist grade fast überall irgendwas los.
Borbaradianerkulte, Nekromanten und Paktierer scheinen wie
die Pilze aus dem Boden zu schießen. Ich habe
natürlich nicht durchblicken lassen, dass ich die
Missionsberichte, die Rotauge immer herum liegen lässt, schon
fast alle gelesen habe. Ich glaube er verheimlicht mir auch einiges.
Obwohl er kein Siegel trägt und behauptet für den
KGIA nur organisatorische Aufgaben auszuüben, scheint er mir
die magischen Theorien für einen nicht-Magier zu gut zu
verstehen. Ein auf ihn unauffällig gesprochener Odem blieb
negativ, aber als ich in seiner Abwesenheit einen Odem auf seinen im
Schirmständer am Eingang stehenden Spazierstock sprach, war
dieser deutlich magisch. Ein Analys identifizierte ihn als eine recht
geniale Kombination. Ein Stockdegen als Bannschwert mit dem Holzteil
als Magierstab und einem Kristallknauf als Magierkugel mit Warnendem
Leuchten.
Vielleicht sollte ich mich bei dem Verein irgendwann mal bewerben.
Bei dem aktuellen Einsatz für den er mich anwerben wollte,
ging es um Ereignisse in Al’Anfa. Einige Gräber
wurden dort aufgebrochen und die Leichen entwendet. Die
örtlichen Machthaber interessiert das neben den ganzen
üblichen Intrigen überhaupt nicht. Normalerweise
würde das auch im Mittelreich niemanden interessieren, aber
nachdem auch die Boron-Kirche nichts unternommen hat, wurde man bei der
KGIA aufmerksam. Der al’anfanische Boron-Kult ist
für sein normalerweise rigoroses Vorgehen gegen
Grabräuber und Nekromanten bekannt. Anwender des ansonsten
erlaubten Spruches zur Kontaktaufnahme mit dem Totenreich (Nekropatia),
müssen im Al’anfanischen damit rechnen, lebendig
begraben zu werden. Nekromanten stehen Gerüchten zufolge noch
schlimmere Strafen bevor. Üblicherweise hätte man
hier mit Einsatz einer Ermittlungsgruppe angeführt von einigen
Geweihten rechnen müssen. Aber bisher erfolgte keinerlei
Reaktion. Der KGIA will jetzt aufgeklärt haben, was da unten
vor sich geht.
Als Einsatzgruppe werde ich jetzt einer mir aus Berichten schon
bekannten Gruppe zugeteilt. Ein etwas chaotischer Haufen
angeführt von dem Magier Ilmin Gerbensen. Außerdem
gehören dazu Durin der Zwerg, Thyrion Stark der Halb-Elf und
Hauptmann Thorus Altenhoff, Veteran aus der Ogerschlacht.
Agent Ruadh Fenwasian, der sich hatte beurlauben lassen um sich mit den
Eigenheiten eines Artefaktes vertraut zu machen, dass er vor einiger
Zeit „geerbt“ hat, ist inzwischen auch wieder
zurück und übernimmt wie gewohnt alle
„Beschleichungen“ der Gruppe in der feineren
Gesellschaft.
Eigentlich gehört zu dieser Gruppe auch noch ein Steppenelf
namens Llevandor Schattensucher, aber der musste wohl dringend sein
elfisches ICH bei seinen Brüdern und Schwestern in der
Grünen Ebene wieder finden, das er nach langen Monden unter
Menschen in Bethana und Fasar verloren hatte.
08. Travia 26 Hal
Al'Anfa
Bin wie vereinbart in Al’Anfa im verabredeten Gasthof
eingetroffen. Die anderen Mitglieder der Gruppe sind bereits vor einer
Woche eingetroffen und haben sich bereits einquartiert. Scheint
tatsächlich ein etwas chaotischer, aber grundsätzlich
netter Haufen zu sein. Leiter der Mission ist der Magier Ilmin.
Hauptmann Thorus, ist allezeit ziemlich am ’Rummaulen und
beschwert sich dauernd über alles und jeden: Essen,
Unterkunft, die örtlichen Weiber im nächsten Bordell.
Macht mir irgendwie gar nicht den Eindruck eines Hauptmanns und
Veterans.
Als ich die Gelegenheit nutzte und Durin heimlich fragte, was dem
Hauptmann über die Leber gelaufen sei, meinte der nur in
seinen Bart grummelnd, dass sich der Hauptmann schon so
aufführen würde, seit sie den Marschbefehl nach
Al’Anfa in Fasar bekommen hätten – und
dass der Hauptmann dort „problemlos funktioniert
hätte.“
Scheint so, dass er üble Vorurteile gegenüber den
Al’Anfanern hat, denn er macht wirklich alles schlecht, sogar
die wirklich hübsche Wirtstochter – die mich wie
üblich keines Blickes würdigt!
Ich finde das Verhalten des Hauptmanns jedenfalls grauenhaft
unprofessionell – und hoffe nur, dass er uns nicht auffliegen
lässt mit seinem Getue. Kein Wunder, dass die KGIA den Magier
Ilmin zum Missionsführer bestimmt hat. Magier sind
für so was eh viel besser geeignet als Haudraufs.
Die Agenten haben bereits mit Ihren Nachforschungen begonnen. Die
Einheimischen machen sich wegen den ausgehobenen Gräbern keine
Sorgen, da sie der Ansicht sind, die Boron-Kirche würde schon
etwas unternehmen, wenn es einen Grund zur Sorge gäbe. Thyrion
hatte es in der kurzen Zeit schon geschafft, sich mit einigen
Stadtwachen und anderen Einheimischen anzufreunden und diese
auszuhorchen.
Zeugen gab es für die Grabschändung keine. Wachen
waren keine aufgestellt gewesen und auch das wurde auch danach nicht
geändert. Auf dem Friedhof hatte Ilmin nach der langen
Anreisezeit keine astralen Spuren mehr erkennen können. Den
Aussagen des Totengräbers zufolge waren die Gräber
aber eindeutig normal ausgehoben und die Särge mit Brecheisen
von außen aufgebrochen worden. Er gab an, da
ausdrücklich drauf geachtet zu haben, da er ja auch
befürchtete die Leichen hätten sich von alleine
erhoben. Morgen werden wir uns mal in den öffentlich
zugänglichen Bereichen der gigantischen Tempelanlage der
"Stadt des Schweigens" umsehen und versuchen jemanden zum
Reden zu bringen. Das wird nicht einfach...
14. Travia 26 Hal
Nachforschungen in der "Stadt des Schweigens" waren erfolgreicher als
ich erwartet hätte. Bei über 800 Geweihten und
unzähligen Akoluten, Boten und Dienern findet sich immer
jemand, der redet. Von einigen der Bediensteten konnten Thyrion, Ilmin
und ich bei unseren Nachforschungen erfahren, dass es in letzter Zeit
zu zahlreichen lautstarken Auseinandersetzungen zwischen Geweihten
gekommen sein muss. Absolut ungewöhnlich! Dabei ging es um
eine kleine Gruppe von Geweihten aus Brabak die sich hier angesiedelt
haben und nun einige kontroverse Thesen aufstellen. Worum es dabei
geht, scheint hier niemand genau zu wissen, auch die Geweihten
stören sich offenbar hauptsächlich an der Tatsache,
dass es hier zu einer weiteren Spaltung der Boron-Kirche kommen
könnte. Dabei ist die vorhandene Teilung von Puniner und
Al’Anfaner Ritus ja schon schlimm genug. Und da sich
angeblich sogar einige Geweihte bereits diesem „Zirkel der
Sieben Zeugen“ beigetreten sind, herrscht hier intern
große Unruhe. Nach außen wird allerdings alles
totgeschwiegen. Was dieser „Zirkel“ für
Meinungen vertritt, konnte uns hier keiner sagen. Gerüchten
zufolge soll der junge Geweihte Borokim al Hashim dem Zirkel
beigetreten sein oder zumindest Kontakte haben. Werde den mal alleine
aufsuchen und versuchen ihn auszuhorchen.
19. Travia 26 Hal
Habe im Lauf mehrerer Tage Kontakt mit al Hashim aufgenommen. Ich habe
mich ihm gegenüber als Akoluten des Boron-Kultes aus dem
Mittelreich ausgegeben, der mit dem dortigen Boron-Ritus nicht
einverstanden ist. Nach dem wöchentlichen Unterricht bei
unserer streng borongläubigen Spektabilität war ich
auf seine prüfenden Fragen ausnahmslos gut vorbereitet. Auch
die wichtigsten Gebete und Lobgesänge waren mir vertraut. Und
die wenigen Dinge die ich nicht wusste, erfand ich einfach und gab
alles als „Puniner Riten“ aus. Muss meine Rolle gut
gespielt haben, denn er schlug mir vor, an einem Treffen des Zirkels
teilzunehmen. Genaues wollte er nicht sagen, aber offenbar hat der
Zirkel das Ziel dem „Dummen Volk“ die Macht Borons
stärker bewusst zu machen. Und einmal sprach er leise davon,
dass die „wahren Diener Borons“ das Recht
hätten auch nach ihrem Tod noch ihrem Herrn auf Dere dienen zu
dürfen.
Nachforschungen der Agenten ergaben derweil, dass die entwendeten
Leichen ausnahmslos zu Bürgern gehören die als
besonders borongläubig bekannt waren. Ich ahne Furchtbares!
Die Agenten bestehen darauf, sich auf einen Hinterhalt vorzubereiten
und sich in der Nähe des Versammlungsortes bereit zu halten.
Da man mich wohl noch nicht als Magier erkannt hat, dürfte ich
problemlos mit Transversalis fliehen können, falls irgendetwas
schief geht. Ich konnte daher durchsetzen, dass die anderen sich im
Nachbargebäude aufhalten, obwohl sie von dort keine direkte
Einsicht in den geplanten Versammlungsraum haben. Zumindest
können Sie aber die Zugänge von dort
überwachen.
22. Travia 26 Hal
Das erste Treffen verlief gut. Als „Hochgeweihter“
des Zirkels der Sieben Zeugen trat ein gewisser Murak di Zeforika auf.
Ein sehr charismatischer Redner, der die etwa zwanzig Anwesenden
schnell mitreißen konnte. Er fand einige interessante
Unstimmigkeiten in den Riten und Traditionen der Boron Kirche.
Außerdem wies er darauf hin, dass Boron schon seit langem
Untote in seinen Reihen auf geheime Missionen schicken würde.
Die Vampire der „Geheimen Hand Borons“ seinen sogar
seine höchsten Diener auf Dere! Ein starkes Stück
diese Behauptung! Ich muss zugeben, dass ich mich hier beinahe verraten
hätte, indem ich ihn auslachen wollte. Im letzten Moment
bemerkte ich allerdings das nachdenkliche Nicken einiger Teilnehmer.
Hinterher erfuhr ich dann, dass es derartige Gerüchte schon
seit Ewigkeiten in der Boron Kirche gibt. Aber natürlich wird
das offiziell vehement dementiert. Weiß nicht, was ich davon
halten soll, aber die anderen Teilnehmer verließen die
Versammlung zutiefst erschüttert. Derartige Thesen an sich
sind jedoch noch kein Grund den Zirkel verhaften zu lassen. Auch gibt
es noch keine Hinweise auf Zusammenhänge mit den
Grabschändungen. Werde an weiteren Treffen teilnehmen und
sehen was sich ergibt.
29. Travia 26 Hal
Das heutige Treffen wurde mir beinahe zum Verhängnis. Eines
der Zirkel-Mitglieder prüfte die Teilnehmer heute offenbar
heimlich auf Magie und entdeckte mein magisches Talent, woraufhin man
mich in ein tiefer gelegenes Kellergewölbe zum Verhör
brachte. Ich gab mich dann als heimlicher Nekromant und
Dämonologe zu erkennen, der bei einem privaten Lehrmeister
unterrichtet worden war. Mein Siegel, das ich bisher immer unter
Handschuhen verborgen hatte, erklärte ich als geniale
Fälschung, denn die Akademie zu Armida kannte hier sowieso
keiner. Das nahm man mir dann irgendwie nicht so wirklich ab. Man
präsentierte mir die Leiche eines frisch verstorbenen
Boron-Gläubigen. Diesen sollte ich erwecken. Da mir keine
andere Wahl blieb und ich den entsprechenden Spruch aus meinen Studien
gut genug kannte, kam ich dieser Aufforderung auch betont willig nach.
Der Skelettarius lies den toten Händler aufstehen und sich vor
dem „Hochgeweihten“ niederknien.
Die folgenden Diskussionen über die Anrufung Thargunitoths,
der „Unwilligen Sklavin Borons“ und die
Beschwörung von Nephazim „in Borons
Dienst“ waren sehr interessant. Die Sichtweise die mir dieser
Murak vermitteln wollte, ist dermaßen blasphemisch, dass es
mir ein Rätsel ist, wie jemand darauf hereinfallen kann.
Nichts desto trotz war eine Diskussion mit einem offensichtlichen
Experten der Nekromantie und Dämonologie nach so langen
einsamen Studien eine wahre Freude für mich, so dass ich
meinen Enthusiasmus kaum spielen musste und sehr überzeugend
wirkte. Murak bedauerte sehr, dass ich den „Totes
Handle“ noch nicht gemeistert hätte, ich
würde ihm aber bei der nächsten Versammlung bei der
dauerhaften Erweckung des toten Händlers assistieren
dürfen. Anschließend plante er, den Anwesenden
Zirkel-Mitgliedern eine
„boron-gefällige“-Variante dieses Zaubers
beizubringen, die es auch ohne magisches Talent einem
Gläubigen ermögliche, Verstorbene in den
„Wahren Dienst“ zurück zu berufen.
Zweifellos ein Ritual oder Zauber basierend auf borbaradianischer
Blutmagie. Sollte er Sektenmitglieder tatsächlich davon
überzeugen können, würden diese die
Techniken weiter verbreiten können. Nicht auszudenken wenn
sich diese Unsitte in der Boron Kirche verbreitet! Murak sprach mir
gegenüber offen über Pläne, in abgelegenen
Regionen künftig alle Gläubigen schon bei der
Beerdigung mit diesem Ritual zu behandeln, so dass diese sich auf einen
Befehl ihres Meisters aus Ihren Gräbern befreien und alle
Ungläubigen von der „Wahren Macht Borons“
überzeugen könnten.
Für die nächste Versammlung planten wir dann den
Zugriff. Den Hochgeweihten des Boron Kultes, Patriarch Amir Honak,
konnten wir nicht zu einer Audienz bewegen. Stattdessen gelang es uns
zu einem seiner direkten Untergebenen, einem Praetor und
"Hüter der Nacht" vorgelassen zu werden. Diesen
weihten wir ein um zusätzliche Tempelwachen anfordern zu
können, da wir sonst mit der großen Anzahl von
Teilnehmern wohl nicht fertig werden würden.
Meine eigenen Taten und Fähigkeiten verschwieg ich sowohl
meinen KGIA Kollegen, wie auch dem Hochgeweihten. Denen
erzählte ich nur, dass ich das Vertrauen des Zirkels hatte
gewinnen können.
Der Praetor schäumte regelrecht aus dem Mund als ich ihm eine
kurze Zusammenfassung der Ziele und Ansichten des Zirkels der Sieben
Zeugen erläuterte. Dabei hatte ich einiges noch
entschärft.
06. Boron 26 Hal
Neben den Agenten wurden in den Nachbargebäuden und in der
Nähe der Zufahrtswege zwei Dutzend Mitglieder der Tempelgarde
platziert. Nachdem der Hochgeweihte die Erweckung des toten
Sektenmitgliedes durch den „Totes Handle“ vollendet
und damit seine Schuld bewiesen hatte, benutzte ich meine
Käferbrosche um Mishkaras Macht auf ihn herab zu rufen. Von
Käfern und Ungeziefern überzogen war er einen Moment
lang wehrlos. Panik brach im Publikum aus, das
verständlicherweise göttlichen Zorn als Ursache
für diese Heimsuchung verantwortlich machte.
Die hereinstürmenden Agenten und Tempelwachen konnten die
völlig demoralisierten Sektierer leicht festnehmen. Murak di
Zeforika versuchte trotz der auf ihm herumkrabbelnden Insekten durch
eine unerwartet aufgehende Geheimtür zu fliehen. Durin der
Zwerg pflügte jedoch durch die wuselnde Menge wie ein
Löwe durch eine Schafsherde und schnetzelte sich auch durch
die Untoten die versuchten ihm im Geheimgang den Weg zu versperren.
Hier fanden sich dann also die verschwundenen Leichnahme wieder. Schon
im Leben nicht sehr kampfstark wurden sie kurzerhand in Stücke
geschlagen. In dem engen Gang gab es keine Möglichkeit weitere
Kämpfer hinein zu bekommen, aber der wackere Zwerg brauchte
auch keine Hilfe.
So schnell er die Zombies auch zerhackte, als er das Ende des Ganges
erreichte war Murak durch einen Durchgang in die Kanalisation der Stadt
bereits verschwunden und nicht mehr aufzufinden.
Während die Agenten sich darum kümmerten, die
Gefangenen sicher zur Stadt des Schweigens zur Befragung zu bringen,
machte ich mich auf um die Räumlichkeiten des
Sektenoberhauptes zu durchsuchen. Sollten sich dort interessante
Schriften finden, dann wäre es ja viel zu gefährlich
diese in die Hand einer offensichtlich unterwanderten Kirche geraten zu
lassen.
Die inzwischen überall im Gebäude herumlaufenden
Tempelwachen ließen mich anstandslos durch. In den
Räumlichkeiten fand sich leider nur wenig Aufschlussreiches.
Der Sektenführer Murak hatte allerdings ein Tagebuch mit
interessanten Eintragungen hinterlassen. Beim kurzen Querlesen faselte
er dauernd darüber, dass Borbarad früher drei
Generäle für seine Armee gehabt hätte. Und
er träumte nun davon einer der neuen Generäle des
großen Dämonenmeisters zu werden. Dazu wollte er die
Boron-Kirche unterwandern und deren Integrität so weit
schwächen, dass sie sich seinem Herrn bei dessen
bevorstehendem Feldzug nicht entgegen stellen konnte.
Außerdem wollte er ihm eine Armee aus Untoten
präsentieren und damit seine Ernennung zum General erreichen.
Kein besonders realistischer Plan.
Das restliche Gefasel war ebenfalls ziemlich verworren. Hochtrabende
Träume von grenzenlosen Belohnungen und dann wieder
ängstliche Befürchtungen für den Fall das er
versagen sollte. Dieser Borbarad scheint sehr
großzügig mit Belohnungen, aber auch unendlich
grausam bei seinen Bestrafungen zu sein.
Während ich noch gemütlich in dem dekadenten
Lehnsessel saß und in dem Tagebuch schmökerte, gab
es plötzlich einen dumpfen Schlag und mitten im Raum erschien
Murak mit einem offensichtlich magischen Talisman in der Hand. Der
"Krabbelnde Schrecken" war inzwischen wohl ausgelaufen. Als er mich mit
seinem Tagebuch sah, dachte ich zuerst er würde sich sofort
auf mich stürzen. Stattdessen rannte er quer durch den Raum
und zog an einer Kordel von der ich dachte sie würde Diener
rufen. Stattdessen rasteten an der massiven Eichentür
hörbar stählerne Riegel ein. Ich war mit dem irren
Sektenführer alleine eingeschlossen!
Ein brutaler Zweikampf entbrannte. Mein Bannschwert gegen seinen
Khunchomer. Nicht gerade besonders kampferprobt hatte ich ihm kaum
etwas entgegen zu setzen. Schon beim dritten Hieb flog mein Bannschwert
quer durch den Raum. Triumphierend hob er seinen Krummsäbel
hoch mit beiden Händen über den Kopf um mich wohl mit
einem Schlag in zwei Hälften zu spalten. Dumm. Sehr dumm. Das
gab mir Gelegenheit blitzschnell meinen versteckten Dolch zu ziehen und
ihn ihm in den Leib zu stoßen. Der gewellte Klinge des
Meucheldolches mit dem damals der untote Vasily unsere
Spektabilität zu töten versuchte und den ich seither
bei mir trage ist Rasiermesserscharf. Und in Erwartung eines Kampfes
bei der Festnahme der Sektierer hatte ich ihn heute Morgen vorsorglich
mit einer großzügigen Portion des ätzenden
Waffengiftes "Goldleim" bestrichen. Schwer getroffen stürzte
Murak nach hinten. Meine Angriffe wehrte er allerdings immer noch mit
einigen geschwächten aber immer noch gefährlichen
Schwüngen mit seinem Khunchomer ab. Bevor ich noch die
Geistesgegenwart zusammenbekommen konnte um mich zurück zu
ziehen und einen Kampfzauber zu versuchen, nestelte er seinen Talisman
heraus und verschwand mit einem dumpfen Geräusch durch den
Limbus.
Nun erst wurde ich der heftigen Schläge gegen die Tür
bewusst. Da ich den Mechanismus für die Riegel nicht finden
konnte, dauerte es noch eine Weile bis es ihnen gelang zu mir herein zu
kommen.
Trotz groß angelegter Suche gelang es Murak problemlos in der
riesigen Stadt zu verschwinden. Diejenigen seiner Anhänger,
die der Nekromantie für schuldig befunden wurden, verschwanden
in der Stadt des Schweigens, die übrigen kehrten
beschämt in den Schoß der Kirche zurück.
Ilmin setzte einen dramatischen Abschlussbericht auf und dann brachen
wir gemeinsam zurück ins Mittelreich auf. In Gareth werden wir
uns dann trennen damit ich nach Armida zurückkehren kann,
während auf die Agenten wohl schon der nächste
Auftrag wartet.
Für die Akademie und Spektabilität DeLinth werde ich
noch einen abgewandelten Missionsbericht verfassen der ebenso zensiert
sein wird wie der an die KGIA. Immerhin habe ich keine Lust
für Boron-frevlerische Aktivitäten aus dem Fenster
geworfen zu werden. Schließlich habe ich dies alles nur zum
Wohle des Reiches und der Boron Kirche gemacht…