Aus dem Tagebuch des Thallian Nirrano:

8. RONdra 1017 im Jahr der großen Pestbeule Bosparan

Nun habe ich endlich die Zeit, die Ereignisse des 5. RONdra aufzuschreiben, des Tages, der der Größte meines bisherigen Lebens war. Der Tag meiner Weihe zum Geweihten der Herrin, einem Knappen der Göttlichen Leuin, bestimmt IHREN Willen und IHR Wort auf dem ganzen Dererund zu verbreiten und mit dem RONdrakamm in der Hand durchzusetzen und das Böse, wo auch immer es sich zeigt, zu vernichten. Gloria in excelsis eterna domina RONdra!!

Doch ich greife zukünftigen Ergebnissen voraus. Ich möchte Euch schildern, die Ereignisse meiner Weihe, sowohl den zeitlichen Ablauf, als auch meine Gefühle während dieser Zeit.

Der ganze Prozess der Weihe begann, wie üblich, so auch bei mir mit der rituellen Wacht im Tempel der Herrin. Kniend sollten die beiden anderen Novizen und ich die ganze Nacht vor der Statue der Herrin im Tempel verbringen um in Gebet, Meditation und Andacht die Nacht bis zum Morgengrauen zu durchwachen. Mit kleinen Seitenblicken betrachtete ich mir die beiden Novizen neben mir. Eine junge Frau und ein junger Mann. Yadwiga und Heran hießen sie. Das waren ja noch wahre Kinder. Ich hätte leicht ihr Vater sein können. War ich denn überhaupt würdig, der Herrin zu dienen? Diese Frage durchfuhr mich, als ich mir die Gesichter der Beiden betrachtete. Ich versuchte mich wieder auf meine Gebete zu konzentrieren, die Psalmen und Choräle, die ich im vergangenen Jahr gelernt und immer wieder rezitiert hatte. Still war es im Tempel, kein Laut drang in die stumm daliegende Halle. Es mochte knapp ein Zwölftel eines Praioslaufs vergangen sein, als ich mich zum ersten Mal konzentrieren musste, die Augen offen zuhalten. Irgendwie erfüllten mich die Choräle, Besänge und Gebete nicht, kamen mir leer und hohl vor. War ein Leben im Gebet und Meditation wirklich mein Ziel?

Ich versuchte mich wieder auf meine Gebete zu konzentrieren und die Zeit verging, als sich auf einmal die Umgebung um mich herum veränderte. Wo eben noch die dunkel daliegende Halle des RONdratempels gewesen war, war nun ein hell erleuchteter Raum zu sehen, in dem sich viele Jungen und Mädchen meines Alters befanden?! Was war hier los? Da wurde es mir klar, ich befand mich im großen Schlafsaal der Akademie zu Baliho. Heute war der Tag, an dem ich auf der Akademie aufgenommen wurde. Von überall her wurden mir missgünstige Blicke zugeworfen, wütendes Getuschel drang an mein Ohr. Von irgendwoher war ein „verfluchtes Maraskanerschwein, was will der denn hier?“ oder ein „wie hat der sich denn hier eingeschlichen?“ zu hören. Ich fuhr herum und griff mir den vermutlichen Sprecher dieser abscheulichen Worte. Gerade wollte ich ihm seine schmutzigen Worte aus dem Mund schlagen, als mich irgendwelche älteren Schüler zurückzogen und beruhigend auf mich einredeten….

Plötzlich schreckte ich hoch!!! Bei RONdra, ich musste eingenickt sein. Verstohlen blickte ich mich um. Die beiden Anderen hatten wohl nichts bemerkt. Warum hatte mich der Traum, oder war es eine Vision gewesen, an diesen Tag in meiner Jugend zurückgeführt?

Ich konzentrierte mich wieder auf meine Meditation und meine zukünftigen Pflichten, als die gemurmelten Gebete der beiden Novizen um mich herum immer stiller wurde, bis auf einmal leise Schlafgeräusche zu hören waren, wobei Yadwiga im Schlaf zu sprechen schien. Sollte Sie auch gerade eine Vision erhalten? Weiter betete ich still und versuchte den Grund für meinen Wunsch zu Weihe zu ergründen. War ich mir wirklich sicher, dass die Herrin mich wollte? Hatte ich mich auch gut vorbereitet?  

Dann tat es unvermittelt einen lauten Schlag. Als ich herumfuhr, sah ich, dass Heran wohl im Schlaf nach vorne umgefallen war und mit dem Helm auf die harten Steinstufen (die meine Knie schon zu verfluchen gelernt hatten) prallte. Beschämt nahm Heran seinen Helm auf und mit Tränen in den Augen zog er sich aus dem Tempel zurück. Yadwiga und ich tauschen besorgte Blicke aus. Wenn Heran sich schon nicht als würdig erachtete, waren wir es dann?

Die Hälfte der Nacht mochte wohl schon vorbei sein, aber langsam machte sich die Müdigkeit immer stärker in meinen Knochen bemerkbar. Wieder änderte sich die Umgebung um mich herum. Ich befand mich im Freien vor der großen Eiche im Garten der Akademie. Es war der Tag, an dem ich damals gegen den Kadetten Mühlbacher gekämpft hatte. Soeben hörte ich mich rufen: „Nun bringen wir’s zu Ende“. Mein Zweihänder war hoch erhoben über dem Hals meines Gegners. Damals hatte ich zugeschlagen, der Schutzhülle des Zweihänders hatte sich unbeabsichtigt gelöst und der Stahl hatte sich tief in den Hals meines Mitkadetten gebohrt. Nun konnte ich das alles ändern und meinem Leben eine neue Wendung geben, war das der Wille der Göttin? Ich führte den finalen Schlag nicht zu Ende, sondern blieb mit erhobenem Schwert stehen. Mein Gegner nutzte die Gelegenheit und schlug mit seinem gepolsterten Zweihänder zu und traf mich mit seinem Zweihänder schwer am Kopf….

Wieder schreckte ich auf und blickte mich verwirrt um. Yadwiga betete leise murmelnd immer noch vor sich hin. Ich betrachtete die Statue vor mir und fragte mich, ob ich mich gerade richtig entschieden hatte.

Plötzlich war um mich herum lautes Geschrei und Kampflärm. Um mich herum sah ich meine Gefährten Shala, Torben, Salix, Armant und Firunja in einem heftigen Kampf mit irgendwelchen dunklen Kreaturen. Ich weiß nicht ob es gut für uns lief oder nicht. Überall war blitzender Stahl und spritzendes Blut zu sehen, ebenso wie magische Entladungen und Feuerbälle, die die Nacht erhellten. Dann sah ich, wie Salix schwer von seinem Gegner getroffen wurde und regungslos auf dem Bauch liegen blieb. Die Kreatur hob ihre mächtige Waffe und wollte meinen Kameraden feige von hinten erschlagen. Was konnte ich tun? Für einen Angriff war es zu spät und so nutzte ich die einzige Möglichkeit die ich hatte. Mit einem lauten Schrei stürzte ich mich nach vorne in den Weg der Waffe. Mit einem hässlichen Geräusch drang die Klinge in meinen Nacken ein und ließ mich wieder aufwachen…

Schaudernd richtete ich mich auf und sah mich erneut im Tempel um. Die Nacht schien vorbei zu sein, denn durch die östlichen Fenster des Tempels drangen die ersten Strahlen von PRAios Macht in den Tempel ein. Wenige Minuten darauf kamen zwei Geweihten in den Tempel um Yadwiga und mich abzuholen. Ich durfte mich kurz frisch machen und dann begann der Teil der Weihe vor dem ich mich am meisten gefürchtet hatte, die Gewissensprüfung. Der Geweihte führte mich in durch viele lange und dunkle Gänge, die ich noch nie zuvor gesehen hatte. An deren Ende schließlich gelangten wir zu einer verschlossenen schweren Eichentür. Der Geweihte klopfte dreimal laut an und hieß mich dann dort zu warten. Es würde nicht lange dauern. Danach ließ er mich dort allein. Es mögen wohl einige Minuten, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen, vergangen sein, als sich die Tür unvermittelt öffnete. Das helle Licht des Raumes blendete mich und so hatte ich Mühe die 5 Geweihten vor mir genauer erkennen zu können. „Setzt euch Novize Nirrano“ konnte ich die Stimme von Iro Eminenz Aldare VIII. Donnerhall zu Donnerbach vernehmen. Langsam ging ich auf den Stuhl zu, vor dem in einem Halbkreis 5 Stühle befanden, in denen jeweils ein Geweihter saß. Das waren neben Eminenz Aldare zwei Praetoren der Senne Nord, die Tempelvorsteher von Baliho, Schwester Rondragard Ecthelion von Mersingen-Murstätten und von Trallop Bruder Bernfried Orkenspalter von Thannheim und zwei weitere Ritter der Göttin aus dem Donnerbacher Tempel, Bruder Franziskus Delorion und Bruder Tharon Eirolamin..

Als erstes erhob Bruder Tharon Eirolamin das Wort: „Novize Nirrano, ihr seid doch auf Maraskan geboren. Seid ihr im Glauben an die Götzen von Rur und Gor erzogen worden und wie steht ihr heute zu diesem Glauben?“ „Euer Gnaden, ich bin schon als kleiner Knabe mit meinen Eltern von Maraskan in die Gegend von Baliho gekommen. Daher kann ich mich nicht mehr genau erinnern, ob ich jemals mit diesen Lehren in Verbindung kam, bevor ich das Weidener Land erreichte. Aber da mein Vater als götterfürchtiger Soldat des Mittelreiches nach Maraskan kam, bin ich mir sicher, dass er mich vom Anfang an im Glauben an die wahren Götter bestärkt hat. Und heute bin ich überzeugt, dass wir diese ungläubigen Heiden bekehren sollten“, antwortete ich auf die ersten Fragen. Meiner Meinung nach wohlwollendes Nicken der Geweihten vor mir war die Folge, nur Praetor Bernfried Orkenspalter von Thannheim schien nicht erfreut zu sein.  

Der nächste in der Reihe war Bruder Franziskus Delorion. „Sagt uns Novize Nirrano, nehmt an, ihr wäret Ritter in der Gefolgschaft eines adligen Grundbesitzers der über beide Ohren verschuldet ist. Um diese Schulden wieder abzubauen, presst er seine Bauern aus. Als ein Bauer nicht zahlen will, erhaltet ihr von eurem Herrn den Auftrag, das Geld entweder einzutreiben oder den Hof als mahnendes Beispiel abzufackeln. Was tut Ihr?“ Nachdenklich rieb ich meine Schläfen mit den Fingern. „Nun euer Gnaden, ich denke, dass wenn mein Lehnsherr eine solche Forderung an mich stellen würde, hätte er meine Lehentreue nicht verdient, da es die Pflicht des Lehnsherrn ist, seine Anbefohlenen nicht über die Maßen auszupressen. Außerdem fordert die Herrin einzuschreiten, wenn ein Lehnsherr in solchem Maß seine Rechte überschreitet. Daher würde ich mich weigern diesen Auftrag zu erfüllen“, war meine Antwort auf diese Frage. „Wenn aber nun das Geld benötigt würde um eine Armee gegen die Umtriebe der Orks aufzustellen und das Land sicherer zu machen?“ fragte wiederum Bruder Franziskus Delorion. „Euer Gnaden, das würde an der grundsätzlichen Lage nichts ändern. Jeder Grundherr ist an seine Pflichten gebunden und ich denke, dass der Zweck nicht die Mittel heiligen darf, denn dies wäre der Weg auf dem Weg zu den Dämonen.“ Wiederum wohlwollendes Nicken der versammelten Geweihten und wiederum blieb die Miene der Praetors Bernfried von Thannheim unbewegt.

Daraufhin erhob Praetor Bernfried Orkenspalter von Thannheim die Stimme: „ So, Novize Nirrano ihr seid also 47 Götterläufe alt? Von einem Mann Eures Alters erwarte ich mir fundiertere Antworten, als wir sie von den jungen Heißspornen erhalten, die wir normalerweise vor uns haben“.

Das saß erstmal, das würde nicht angenehm werden. Soviel war schon mal klar. Und tatsächlich. Mit gestrenger Stimme fuhr Praetor Bernfried Orkenspalter von Thannheim fort: „Warum sollten wir ausgerechnet Euch, Sohn einer maraskanischen Mutter, einen zum Tod durch Erhängen verurteilten Schlagetod, zu einem der ehrvollen Geweihten der Leuin machen? Warum gerade Euch – und nicht einen der vielen Adligen, die bei uns Schlange stehen? Nennt mir einen guten Grund.“ „Nun Ehrwürden, ich denke dass die Göttin mich erwählt hat, sie hat mir eine Chance gegeben, als ich auf dem Weg der Unehre und der Feigheit war. Ich war weit von Ihrem Weg entfernt und ich hoffe, dass ich mich ihrer Gnade würdig erweisen werde“. „Ihr habt meine Frage nicht beantwortet, Novize. Warum sollten denn wir gerade euch erwählen, was macht Euch sicher, dass Ihr würdig seid, der Herrin als Geweihter zu dienen, warum gerade Ihr?“ „Nun ich denke, dass nur die Göttin entscheiden kann, ob ich würdig bin“. „Nun, Ihr denkt sehr viel Novize“, zum ersten Mal war meldete sich die Fürsterzgeweihte Aldare VIII. Donnerhall zu Donnerbach zu Wort, „denkt ihr oder wisst ihr, dass Ihr würdig seid?“

Worauf wollten die Fürsterzgeweihte und der Praetor denn hinaus? Wie konnte ich denn wissen ob ich würdig war? Dies konnte doch nur die Göttin selbst entscheiden. Es wäre doch Blasphemie und Hochmut gewesen, diese Antwort mit Sicherheit beantworten zu können. Das mussten sie doch wissen?! Und da kam mir plötzlich die Antwort, als wäre sie mir eingegeben worden. Natürlich wussten beide, dass schlussendlich die Göttin entscheiden würde, also konnte es Ihnen nur darum gehen zu erfahren, ob ich selbst daran glauben würde, Geweihter werden zu können und dies von ganzem Herzen herbeisehnte und verlangte. Daraufhin sagte ich mit lauter und deutlich selbstsicherer Stimme: „Ja euer Eminenz, ich bin sicher, dass mich die Göttin erwählt hat und ich glaube fest daran, dass ich würdig bin Ihr zu dienen, weil sie mich selbst erwählt hat.“ „Und Ehrwürden“, sagte ich zum Praetor Bernfried Orkenspalter von Thannheim gewandt „ihr solltet mich wählen, weil ich würdig bin der göttlichen Leuin zu dienen und ich fest daran glaube, dass die Herrin dies in meinem Herzen lesen kann.“ Täuschte ich mich, oder war da ein leichtes Lächeln bei dem Praetor zu sehen?

„Nun Novize“, fragte Praetorin Rondragard Ecthelion von Mersingen-Murstätten, „habt Ihr gegen die Göttin gefrevelt?“ „Nun euer Ehrwürden, wie ihr wisst folgte ich viele Jahre lang dem Weg des Goldes, ich kämpfte nicht um Ehre für mich und die Göttin zu gewinnen, sondern nur des schnöden Mammons wegen. In dieser Zeit habe ich oft die Göttin gefrevelt. Ich war schwach und voll Sünde.“

Nun meldete sich wieder Bruder Tharon Eirolamin zu Wort: „Wo ihr schon von Schwächen redet, wie reagiert ihr, wenn ihr entdeckt, dass einer eurer Mitmenschen nicht mit seinem Leben zurechtkommt, weil er schwach ist. Werdet Ihr eingreifen?“

„Euer Gnaden, ich würde versuchen ihn von seinem Tun abzuhalten und ihm zeigen, dass er eine von den Göttern gefügte Rolle auf dem Dererund hat und daher kein Recht hat, sich gegen diese Ordnung aufzulehnen.“

„Ihr verachtet also Schwäche? Was ist mit eurer eigenen Schwäche, verachtet ihr Euch selbst? Habt Ihr eure Schwächen immer und zu jeder Zeit im Griff?“ dies kam wieder von Praetor Bernfried Orkenspalter von Thannheim. „Natürlich verachte ich die Schwäche und jeder ist verpflichtet, die Schwäche in sich zu bekämpfen und jedem bei der Bekämpfung seiner Schwächen zu helfen. Auf dass die göttergefällige Ordnung gewahrt bleibe. Wenn ich selbst Schwächen habe und die habe ich, verachte ich die Schwäche an sich und nicht mich selbst, denn ich kämpfe immer und zu jeder Zeit gegen meine Schwäche an. Ob ich meine Schwächen immer im Griff habe? Nein, denn das ist einem Menschen unmöglich, allerdings bekämpfe ich täglich meine Dämonen, um sie in ihrem Gefängnis zu halten.“

Bevor Praetor Bernfried Orkenspalter von Thannheim noch antworten konnte, hob die Fürsterzgeweihte Aldare die VIII. Donnerhall zu Donnerbach den Arm. „Genug davon werter Praetor. Novize Nirrano nennt mir die Ziele der Kirche und  welches sind die  Prinzipien der Herrin im Kampf?“ „Euer Eminenz, die Ziele der Kirche sind der Schutz der Schwachen, Schutz der zwölfgöttlichen Gemeinschaft und ihrer Tempel, Bekehrung der Andersgläubigen und Vernichtung aller widernatürlichen Wesenheiten und Paktierer. Im Kampf soll der Geweihte stets ehrenhaft kämpfen, das heißt nicht mit unrechten Waffen, nicht von hinten oder von der Seite, nicht gegen wehrlose oder unterlegene Gegner und nicht aus einer, durch unehrenhafte Mittel erzeugten, ungünstigen Lage des Gegners profitieren.“

„Soweit so gut Nirrano“ hob die Fürsterzgeweihte Aldare VIII. Donnerhall zu Donnerbach, nach einem Blick in Runde, erneut an. „Eine letzte Frage haben wir noch. Seid Ihr bereit der Herrin alles zu geben und ihr bis ans Ende zu folgen?“ „Ja euer Eminenz, das bin ich“ war alles was ich erwidern konnte und wollte.

Die Fürsterzgeweihte nickte nur kurz und darauf hin öffnete sich eine bisher verborgene Tür. „Novize Nirrano, Ihr werdet dem Waffenmeister Ulrian Sturmklinge von Rotenberg nun folgen. Dann werdet Ihr gerüstet werden und mit ihm die 12 göttlichen Streiche und Wehren absolvieren, auf dass Ihr beweist, dass nicht nur Euer Geist fest und stark ist, sondern Ihr auch den Glauben an die Herrin mit der Waffe verbreiten und verteidigen könnt. Nun geht.“

Ich folgte Ulrian also hinaus, zuerst in die Rüstkammer, in der mir mein Zweihänder Blutsäufer übergeben wurde. Scheinbar waren meine Sachen in den vergangen Monaten vom Rhodenstein hierher gebracht worden. Zudem wurden Ulrian und ich in Kettenhemden gekleidet und mit Helmen versehen. Anschließend stellten wir uns gegenüber auf und nun war es an mir, mein Können zu beweisen. Ich schlug Schläge zum Hals des Gegners, gerade Stöße, angetäuschte Finten, mehrere Doppelkombinationen, einen Wuchtschlag und einen Sturmangriff, die Ulrian mit mehr oder weniger Mühen parieren konnte. Als letzten Streich wählte ich einen Schlag in den ich alle meine Kraft und meine Kunstfertigkeit legte. Wie ein Hammer fuhr mein Hieb auf die erhobene Klinge Ulrians herab, der nur mit größter Mühe mit seinem Zweihänder parieren konnte, dabei allerdings zu Boden gestreckt wurde. Die Göttin musste mit mir gewesen sein, jeder der zwölf Schläge war ohne jeden Fehl gewesen. Anschließend wehrte ich die zwölf Streiche Ulrians mit Hilfe der zwölf Wehren ab. Bei jedem Schlag den ich parierte, stieben die Funken und mein Zweihänder vibrierte mit jeder Parade stärker. Als Ulrian schließlich seinerseits zu einem Hammerschlag ansetzte, gelang es mir trotz des Alters Ulrians, gerade noch den Schlag abzublocken. Aber als Stahl auf Stahl schlug, zersprang meine Klinge in einem gewaltigen Splitterregen. Anerkennendes Raunen ging durch die anwesenden Geweihten und Novizen, die diesem Teil der Weihe verfolgt hatten.

Während ich noch verblüfft auf das Heft mit der zerborstenen Klinge starrte, wurden mir das Kettenhemd und der Übungswaffenrock ausgezogen und ich in einen rein weißen Wappenrock getan. Dann wurde mir ein Schwert umgegürtet und mir der Helm aufgesetzt.

Anschließend wurden Yadwiga und ich in feierlicher Prozession in die Kavernen des Tempels geführt. Auch sie hatte die Befragung durch die Geweihten, sowie die 12 Streiche und Wehren ohne Fehl bestanden.

Das Donnern des Wasserfalls wurde immer lauter, bis wir schließlich die große Halle betraten, an deren Ende der gewaltige Wasserfall donnernd in die Tiefe stürzte. In der Mitte des Raumes stand die zweite noch gewaltigere RONdrastatue des Tempels. An den Wänden waren die Geweihten des Tempels und die Besucher der Weihezeremonie, alles Freunde und Verwandte von mir und Yadwiga aufgereit. Ich konnte Shala, Torben, Salix, Firunja und sogar Armant entdecken, wie sie in feierlichen Gewändern meiner Weihe beiwohnten. Festen Schrittes ging ich auf die Statue zu und kniete mich vor die gewaltige Abbildung der Streitenden RONdra. Laut rief ich gegen das Rauschen des Wasserfalls an:

Herrin RONdra, göttliche Leuin,
Herrscherin des ehrenhaften Kampfes und des Sturms.
Heute knie ich vor Dir, um vor Dir und vor allen zu erklären,
dass ich Dir auf ewig dienen will,
sei es in guten oder in schlechten Tagen.
Von heute an bis zu dem Tag an dem das Ende kommen mag und darüber hinaus.
Herrin RONdra das gelobe ich!!!

Anschließend traten Fürsterzgeweihte Aldare VIII. Donnerhall zu Donnerbach und die Praetoren Bernfried Orkenspalter von Thannheim und Rondragard Ecthelion von Mersingen-Murstätten auf mich zu. Die Fürsterzgeweihte hielt einen prächtigen RONdrakamm in den Händen, Praetor Bernfried den Wappenrock mit der springenden roten Löwin und Praetorin Rondragard die Schwertfibel eines Knappen der Göttin.

Vor mir stehend hielt die Fürsterzgeweihte Aldare VIII. Donnerhall zu Donnerbach den RONdrakamm hoch über meinen Kopf und rief mit merkwürdig lauter Stimme, während mir die beiden Praetoren den Wappenrock und die Fibel anlegten:

„RONdra, göttliche Löwin, wenn es Dein Wille ist, dass dieser Novize in den Reihen Deiner Krieger Aufnahme findet, wenn es Dein Wille ist, dass er fortan Dein Zeichen trägt und in deinem Namen für das Gute streitet, dann schenke ihm Deine Gnade und nimm seine Weihe an!“

Gespannt horchte ich in das Rauschen des Wasserfalls hinein. Unendlich lange Augenblicke lang geschah nichts. Dann mit einem Mal wurde fühlte ich wie RONdra´s Macht und Herrlichkeit durch meinen Körper strömten und mich bis in die letzten Winkel  meiner Seele ausfüllten. Ich fühlte wie die Herrin einen Teil Ihrer Macht auf mich übergehen ließ und mich verwandelte. Währenddessen wurde das Rauschen lauter und hob an zu einem unglaublichen Lärm. Plötzlich wurde es vollkommen still und in diese unnatürliche Stille brach ein gewaltiger Donnerschlag, der die Kaverne in der wir uns befanden, erzittern ließ.

Die Herrin hatte meine Weihe angenommen!!!!!

„Nun erhebt Euch, Thallian Eiriliôyn Nirrano zu Donnerbach, Knappe der Göttin. Ziehet hinaus in die Welt, um der Göttin Ehre zu bringen und Ihre Herrlichkeit zu mehren. Findet euer Schicksal und Eure Bestimmung. Möge RONdra´s Donner allzeit über Euch grollen.“

Mit einem stolzen Lächeln auf dem Gesicht überreichte mir die Fürsterzgeweihte meine neue Waffe, die mich von nun an bis zu meinem Ende begleiten würde. Eiriliôyn - der Flammenlöwe, mit Dir würde ich die Macht und Glorie der Herrin allzeit verteidigen und schützen.

Langsam stand ich auf und drehte mich zu den Anwesenden um. Großer Jubel brandete auf und hieß mich in der Gemeinschaft der Geweihten der Herrin willkommen. Nachdem auch noch Yadwiga ihre Weihe erhalten hatte, trat die Fürsterzgeweihte Aldare VIII. von Donnerhall zu Donnerbach noch einmal vor die versammelte Menge und die beiden neuen Geweihten.

Es segne uns RONdra, die Herrin des Krieges
es bewahre uns RONdra, die Beherrscherin des Sturms,
es erleuchte uns RONdra, die herrliche Löwin der Zwölf.
Es stärke uns die Kraft des gleißenden Stahls
und unser Glaube, der als eherner Schild vor uns steht.
Dein Wille oh Herrin sei unser Befehl.

Der nächste Tag wurde alter Tradition zu einem wahren Gelage der Geweihtenschaft genutzt, an dem einmal recht wenig von der üblichen Zurückhaltung der Geweihten zu sehen war. Aber das steht auf einem anderen Blatt geschrieben.