Aus dem Tagebuch des Thallian Nirrano:
8. RONdra 1017 im Jahr der großen Pestbeule Bosparan
Nun habe ich endlich die Zeit, die Ereignisse des 5. RONdra
aufzuschreiben, des Tages, der der Größte meines
bisherigen Lebens war. Der Tag meiner Weihe zum Geweihten der Herrin,
einem Knappen der Göttlichen Leuin, bestimmt IHREN Willen und
IHR Wort auf dem ganzen Dererund zu verbreiten und mit dem RONdrakamm
in der Hand durchzusetzen und das Böse, wo auch immer es sich
zeigt, zu vernichten. Gloria in excelsis eterna domina RONdra!!
Doch ich greife zukünftigen Ergebnissen voraus. Ich
möchte Euch schildern, die Ereignisse meiner Weihe, sowohl den
zeitlichen Ablauf, als auch meine Gefühle während
dieser Zeit.
Der ganze Prozess der Weihe begann, wie üblich, so auch bei
mir mit der rituellen Wacht im Tempel der Herrin. Kniend sollten die
beiden anderen Novizen und ich die ganze Nacht vor der Statue der
Herrin im Tempel verbringen um in Gebet, Meditation und Andacht die
Nacht bis zum Morgengrauen zu durchwachen. Mit kleinen Seitenblicken
betrachtete ich mir die beiden Novizen neben mir. Eine junge Frau und
ein junger Mann. Yadwiga und Heran hießen sie. Das waren ja
noch wahre Kinder. Ich hätte leicht ihr Vater sein
können. War ich denn überhaupt würdig, der
Herrin zu dienen? Diese Frage durchfuhr mich, als ich mir die Gesichter
der Beiden betrachtete. Ich versuchte mich wieder auf meine Gebete zu
konzentrieren, die Psalmen und Choräle, die ich im vergangenen
Jahr gelernt und immer wieder rezitiert hatte. Still war es im Tempel,
kein Laut drang in die stumm daliegende Halle. Es mochte knapp ein
Zwölftel eines Praioslaufs vergangen sein, als ich mich zum
ersten Mal konzentrieren musste, die Augen offen zuhalten. Irgendwie
erfüllten mich die Choräle, Besänge und
Gebete nicht, kamen mir leer und hohl vor. War ein Leben im Gebet und
Meditation wirklich mein Ziel?
Ich versuchte mich wieder auf meine Gebete zu konzentrieren und die
Zeit verging, als sich auf einmal die Umgebung um mich herum
veränderte. Wo eben noch die dunkel daliegende Halle des
RONdratempels gewesen war, war nun ein hell erleuchteter Raum zu sehen,
in dem sich viele Jungen und Mädchen meines Alters befanden?!
Was war hier los? Da wurde es mir klar, ich befand mich im
großen Schlafsaal der Akademie zu Baliho. Heute war der Tag,
an dem ich auf der Akademie aufgenommen wurde. Von überall her
wurden mir missgünstige Blicke zugeworfen, wütendes
Getuschel drang an mein Ohr. Von irgendwoher war ein
„verfluchtes Maraskanerschwein, was will der denn
hier?“ oder ein „wie hat der sich denn hier
eingeschlichen?“ zu hören. Ich fuhr herum und griff
mir den vermutlichen Sprecher dieser abscheulichen Worte. Gerade wollte
ich ihm seine schmutzigen Worte aus dem Mund schlagen, als mich
irgendwelche älteren Schüler zurückzogen und
beruhigend auf mich einredeten….
Plötzlich schreckte ich hoch!!! Bei RONdra, ich musste
eingenickt sein. Verstohlen blickte ich mich um. Die beiden Anderen
hatten wohl nichts bemerkt. Warum hatte mich der Traum, oder war es
eine Vision gewesen, an diesen Tag in meiner Jugend
zurückgeführt?
Ich konzentrierte mich wieder auf meine Meditation und meine
zukünftigen Pflichten, als die gemurmelten Gebete der beiden
Novizen um mich herum immer stiller wurde, bis auf einmal leise
Schlafgeräusche zu hören waren, wobei Yadwiga im
Schlaf zu sprechen schien. Sollte Sie auch gerade eine Vision erhalten?
Weiter betete ich still und versuchte den Grund für meinen
Wunsch zu Weihe zu ergründen. War ich mir wirklich sicher,
dass die Herrin mich wollte? Hatte ich mich auch gut vorbereitet?
Dann tat es unvermittelt einen lauten Schlag. Als ich herumfuhr, sah
ich, dass Heran wohl im Schlaf nach vorne umgefallen war und mit dem
Helm auf die harten Steinstufen (die meine Knie schon zu verfluchen
gelernt hatten) prallte. Beschämt nahm Heran seinen Helm auf
und mit Tränen in den Augen zog er sich aus dem Tempel
zurück. Yadwiga und ich tauschen besorgte Blicke aus. Wenn
Heran sich schon nicht als würdig erachtete, waren wir es dann?
Die Hälfte der Nacht mochte wohl schon vorbei sein, aber
langsam machte sich die Müdigkeit immer stärker in
meinen Knochen bemerkbar. Wieder änderte sich die Umgebung um
mich herum. Ich befand mich im Freien vor der großen Eiche im
Garten der Akademie. Es war der Tag, an dem ich damals gegen den
Kadetten Mühlbacher gekämpft hatte. Soeben
hörte ich mich rufen: „Nun bringen wir’s
zu Ende“. Mein Zweihänder war hoch erhoben
über dem Hals meines Gegners. Damals hatte ich zugeschlagen,
der Schutzhülle des Zweihänders hatte sich
unbeabsichtigt gelöst und der Stahl hatte sich tief in den
Hals meines Mitkadetten gebohrt. Nun konnte ich das alles
ändern und meinem Leben eine neue Wendung geben, war das der
Wille der Göttin? Ich führte den finalen Schlag nicht
zu Ende, sondern blieb mit erhobenem Schwert stehen. Mein Gegner nutzte
die Gelegenheit und schlug mit seinem gepolsterten Zweihänder
zu und traf mich mit seinem Zweihänder schwer am
Kopf….
Wieder schreckte ich auf und blickte mich verwirrt um. Yadwiga betete
leise murmelnd immer noch vor sich hin. Ich betrachtete die Statue vor
mir und fragte mich, ob ich mich gerade richtig entschieden hatte.
Plötzlich war um mich herum lautes Geschrei und
Kampflärm. Um mich herum sah ich meine Gefährten
Shala, Torben, Salix, Armant und Firunja in einem heftigen Kampf mit
irgendwelchen dunklen Kreaturen. Ich weiß nicht ob es gut
für uns lief oder nicht. Überall war blitzender Stahl
und spritzendes Blut zu sehen, ebenso wie magische Entladungen und
Feuerbälle, die die Nacht erhellten. Dann sah ich, wie Salix
schwer von seinem Gegner getroffen wurde und regungslos auf dem Bauch
liegen blieb. Die Kreatur hob ihre mächtige Waffe und wollte
meinen Kameraden feige von hinten erschlagen. Was konnte ich tun?
Für einen Angriff war es zu spät und so nutzte ich
die einzige Möglichkeit die ich hatte. Mit einem lauten Schrei
stürzte ich mich nach vorne in den Weg der Waffe. Mit einem
hässlichen Geräusch drang die Klinge in meinen Nacken
ein und ließ mich wieder aufwachen…
Schaudernd richtete ich mich auf und sah mich erneut im Tempel um. Die
Nacht schien vorbei zu sein, denn durch die östlichen Fenster
des Tempels drangen die ersten Strahlen von PRAios Macht in den Tempel
ein. Wenige Minuten darauf kamen zwei Geweihten in den Tempel um
Yadwiga und mich abzuholen. Ich durfte mich kurz frisch machen und dann
begann der Teil der Weihe vor dem ich mich am meisten
gefürchtet hatte, die Gewissensprüfung. Der Geweihte
führte mich in durch viele lange und dunkle Gänge,
die ich noch nie zuvor gesehen hatte. An deren Ende
schließlich gelangten wir zu einer verschlossenen schweren
Eichentür. Der Geweihte klopfte dreimal laut an und
hieß mich dann dort zu warten. Es würde nicht lange
dauern. Danach ließ er mich dort allein. Es mögen
wohl einige Minuten, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen, vergangen
sein, als sich die Tür unvermittelt öffnete. Das
helle Licht des Raumes blendete mich und so hatte ich Mühe die
5 Geweihten vor mir genauer erkennen zu können.
„Setzt euch Novize Nirrano“ konnte ich die Stimme
von Iro Eminenz Aldare VIII. Donnerhall zu Donnerbach vernehmen.
Langsam ging ich auf den Stuhl zu, vor dem in einem Halbkreis 5
Stühle befanden, in denen jeweils ein Geweihter saß.
Das waren neben Eminenz Aldare zwei Praetoren der Senne Nord, die
Tempelvorsteher von Baliho, Schwester Rondragard Ecthelion von
Mersingen-Murstätten und von Trallop Bruder Bernfried
Orkenspalter von Thannheim und zwei weitere Ritter der Göttin
aus dem Donnerbacher Tempel, Bruder Franziskus Delorion und Bruder
Tharon Eirolamin..
Als erstes erhob Bruder Tharon Eirolamin das Wort: „Novize
Nirrano, ihr seid doch auf Maraskan geboren. Seid ihr im Glauben an die
Götzen von Rur und Gor erzogen worden und wie steht ihr heute
zu diesem Glauben?“ „Euer Gnaden, ich bin schon als
kleiner Knabe mit meinen Eltern von Maraskan in die Gegend von Baliho
gekommen. Daher kann ich mich nicht mehr genau erinnern, ob ich jemals
mit diesen Lehren in Verbindung kam, bevor ich das Weidener Land
erreichte. Aber da mein Vater als götterfürchtiger
Soldat des Mittelreiches nach Maraskan kam, bin ich mir sicher, dass er
mich vom Anfang an im Glauben an die wahren Götter
bestärkt hat. Und heute bin ich überzeugt, dass wir
diese ungläubigen Heiden bekehren sollten“,
antwortete ich auf die ersten Fragen. Meiner Meinung nach wohlwollendes
Nicken der Geweihten vor mir war die Folge, nur Praetor Bernfried
Orkenspalter von Thannheim schien nicht erfreut zu sein.
Der nächste in der Reihe war Bruder Franziskus Delorion.
„Sagt uns Novize Nirrano, nehmt an, ihr wäret Ritter
in der Gefolgschaft eines adligen Grundbesitzers der über
beide Ohren verschuldet ist. Um diese Schulden wieder abzubauen, presst
er seine Bauern aus. Als ein Bauer nicht zahlen will, erhaltet ihr von
eurem Herrn den Auftrag, das Geld entweder einzutreiben oder den Hof
als mahnendes Beispiel abzufackeln. Was tut Ihr?“
Nachdenklich rieb ich meine Schläfen mit den Fingern.
„Nun euer Gnaden, ich denke, dass wenn mein Lehnsherr eine
solche Forderung an mich stellen würde, hätte er
meine Lehentreue nicht verdient, da es die Pflicht des Lehnsherrn ist,
seine Anbefohlenen nicht über die Maßen
auszupressen. Außerdem fordert die Herrin einzuschreiten,
wenn ein Lehnsherr in solchem Maß seine Rechte
überschreitet. Daher würde ich mich weigern diesen
Auftrag zu erfüllen“, war meine Antwort auf diese
Frage. „Wenn aber nun das Geld benötigt
würde um eine Armee gegen die Umtriebe der Orks aufzustellen
und das Land sicherer zu machen?“ fragte wiederum Bruder
Franziskus Delorion. „Euer Gnaden, das würde an der
grundsätzlichen Lage nichts ändern. Jeder Grundherr
ist an seine Pflichten gebunden und ich denke, dass der Zweck nicht die
Mittel heiligen darf, denn dies wäre der Weg auf dem Weg zu
den Dämonen.“ Wiederum wohlwollendes Nicken der
versammelten Geweihten und wiederum blieb die Miene der Praetors
Bernfried von Thannheim unbewegt.
Daraufhin erhob Praetor Bernfried Orkenspalter von Thannheim die
Stimme: „ So, Novize Nirrano ihr seid also 47
Götterläufe alt? Von einem Mann Eures Alters erwarte
ich mir fundiertere Antworten, als wir sie von den jungen
Heißspornen erhalten, die wir normalerweise vor uns
haben“.
Das saß erstmal, das würde nicht angenehm werden.
Soviel war schon mal klar. Und tatsächlich. Mit gestrenger
Stimme fuhr Praetor Bernfried Orkenspalter von Thannheim fort:
„Warum sollten wir ausgerechnet Euch, Sohn einer
maraskanischen Mutter, einen zum Tod durch Erhängen
verurteilten Schlagetod, zu einem der ehrvollen Geweihten der Leuin
machen? Warum gerade Euch – und nicht einen der vielen
Adligen, die bei uns Schlange stehen? Nennt mir einen guten
Grund.“ „Nun Ehrwürden, ich denke dass die
Göttin mich erwählt hat, sie hat mir eine Chance
gegeben, als ich auf dem Weg der Unehre und der Feigheit war. Ich war
weit von Ihrem Weg entfernt und ich hoffe, dass ich mich ihrer Gnade
würdig erweisen werde“. „Ihr habt meine
Frage nicht beantwortet, Novize. Warum sollten denn wir gerade euch
erwählen, was macht Euch sicher, dass Ihr würdig
seid, der Herrin als Geweihter zu dienen, warum gerade Ihr?“
„Nun ich denke, dass nur die Göttin entscheiden
kann, ob ich würdig bin“. „Nun, Ihr denkt
sehr viel Novize“, zum ersten Mal war meldete sich die
Fürsterzgeweihte Aldare VIII. Donnerhall zu Donnerbach zu
Wort, „denkt ihr oder wisst ihr, dass Ihr würdig
seid?“
Worauf wollten die Fürsterzgeweihte und der Praetor denn
hinaus? Wie konnte ich denn wissen ob ich würdig war? Dies
konnte doch nur die Göttin selbst entscheiden. Es
wäre doch Blasphemie und Hochmut gewesen, diese Antwort mit
Sicherheit beantworten zu können. Das mussten sie doch
wissen?! Und da kam mir plötzlich die Antwort, als
wäre sie mir eingegeben worden. Natürlich wussten
beide, dass schlussendlich die Göttin entscheiden
würde, also konnte es Ihnen nur darum gehen zu erfahren, ob
ich selbst daran glauben würde, Geweihter werden zu
können und dies von ganzem Herzen herbeisehnte und verlangte.
Daraufhin sagte ich mit lauter und deutlich selbstsicherer Stimme:
„Ja euer Eminenz, ich bin sicher, dass mich die
Göttin erwählt hat und ich glaube fest daran, dass
ich würdig bin Ihr zu dienen, weil sie mich selbst
erwählt hat.“ „Und
Ehrwürden“, sagte ich zum Praetor Bernfried
Orkenspalter von Thannheim gewandt „ihr solltet mich
wählen, weil ich würdig bin der göttlichen
Leuin zu dienen und ich fest daran glaube, dass die Herrin dies in
meinem Herzen lesen kann.“ Täuschte ich mich, oder
war da ein leichtes Lächeln bei dem Praetor zu sehen?
„Nun Novize“, fragte Praetorin Rondragard Ecthelion
von Mersingen-Murstätten, „habt Ihr gegen die
Göttin gefrevelt?“ „Nun euer
Ehrwürden, wie ihr wisst folgte ich viele Jahre lang dem Weg
des Goldes, ich kämpfte nicht um Ehre für mich und
die Göttin zu gewinnen, sondern nur des schnöden
Mammons wegen. In dieser Zeit habe ich oft die Göttin
gefrevelt. Ich war schwach und voll Sünde.“
Nun meldete sich wieder Bruder Tharon Eirolamin zu Wort: „Wo
ihr schon von Schwächen redet, wie reagiert ihr, wenn ihr
entdeckt, dass einer eurer Mitmenschen nicht mit seinem Leben
zurechtkommt, weil er schwach ist. Werdet Ihr eingreifen?“
„Euer Gnaden, ich würde versuchen ihn von seinem Tun
abzuhalten und ihm zeigen, dass er eine von den Göttern
gefügte Rolle auf dem Dererund hat und daher kein Recht hat,
sich gegen diese Ordnung aufzulehnen.“
„Ihr verachtet also Schwäche? Was ist mit eurer
eigenen Schwäche, verachtet ihr Euch selbst? Habt Ihr eure
Schwächen immer und zu jeder Zeit im Griff?“ dies
kam wieder von Praetor Bernfried Orkenspalter von Thannheim.
„Natürlich verachte ich die Schwäche und
jeder ist verpflichtet, die Schwäche in sich zu
bekämpfen und jedem bei der Bekämpfung seiner
Schwächen zu helfen. Auf dass die
göttergefällige Ordnung gewahrt bleibe. Wenn ich
selbst Schwächen habe und die habe ich, verachte ich die
Schwäche an sich und nicht mich selbst, denn ich
kämpfe immer und zu jeder Zeit gegen meine Schwäche
an. Ob ich meine Schwächen immer im Griff habe? Nein, denn das
ist einem Menschen unmöglich, allerdings bekämpfe ich
täglich meine Dämonen, um sie in ihrem
Gefängnis zu halten.“
Bevor Praetor Bernfried Orkenspalter von Thannheim noch antworten
konnte, hob die Fürsterzgeweihte Aldare die VIII. Donnerhall
zu Donnerbach den Arm. „Genug davon werter Praetor. Novize
Nirrano nennt mir die Ziele der Kirche und welches sind
die Prinzipien der Herrin im Kampf?“
„Euer Eminenz, die Ziele der Kirche sind der Schutz der
Schwachen, Schutz der zwölfgöttlichen Gemeinschaft
und ihrer Tempel, Bekehrung der Andersgläubigen und
Vernichtung aller widernatürlichen Wesenheiten und Paktierer.
Im Kampf soll der Geweihte stets ehrenhaft kämpfen, das
heißt nicht mit unrechten Waffen, nicht von hinten oder von
der Seite, nicht gegen wehrlose oder unterlegene Gegner und nicht aus
einer, durch unehrenhafte Mittel erzeugten, ungünstigen Lage
des Gegners profitieren.“
„Soweit so gut Nirrano“ hob die
Fürsterzgeweihte Aldare VIII. Donnerhall zu Donnerbach, nach
einem Blick in Runde, erneut an. „Eine letzte Frage haben wir
noch. Seid Ihr bereit der Herrin alles zu geben und ihr bis ans Ende zu
folgen?“ „Ja euer Eminenz, das bin ich“
war alles was ich erwidern konnte und wollte.
Die Fürsterzgeweihte nickte nur kurz und darauf hin
öffnete sich eine bisher verborgene Tür.
„Novize Nirrano, Ihr werdet dem Waffenmeister Ulrian
Sturmklinge von Rotenberg nun folgen. Dann werdet Ihr gerüstet
werden und mit ihm die 12 göttlichen Streiche und Wehren
absolvieren, auf dass Ihr beweist, dass nicht nur Euer Geist fest und
stark ist, sondern Ihr auch den Glauben an die Herrin mit der Waffe
verbreiten und verteidigen könnt. Nun geht.“
Ich folgte Ulrian also hinaus, zuerst in die Rüstkammer, in
der mir mein Zweihänder Blutsäufer übergeben
wurde. Scheinbar waren meine Sachen in den vergangen Monaten vom
Rhodenstein hierher gebracht worden. Zudem wurden Ulrian und ich in
Kettenhemden gekleidet und mit Helmen versehen. Anschließend
stellten wir uns gegenüber auf und nun war es an mir, mein
Können zu beweisen. Ich schlug Schläge zum Hals des
Gegners, gerade Stöße, angetäuschte Finten,
mehrere Doppelkombinationen, einen Wuchtschlag und einen Sturmangriff,
die Ulrian mit mehr oder weniger Mühen parieren konnte. Als
letzten Streich wählte ich einen Schlag in den ich alle meine
Kraft und meine Kunstfertigkeit legte. Wie ein Hammer fuhr mein Hieb
auf die erhobene Klinge Ulrians herab, der nur mit
größter Mühe mit seinem Zweihänder
parieren konnte, dabei allerdings zu Boden gestreckt wurde. Die
Göttin musste mit mir gewesen sein, jeder der zwölf
Schläge war ohne jeden Fehl gewesen. Anschließend
wehrte ich die zwölf Streiche Ulrians mit Hilfe der
zwölf Wehren ab. Bei jedem Schlag den ich parierte, stieben
die Funken und mein Zweihänder vibrierte mit jeder Parade
stärker. Als Ulrian schließlich seinerseits zu einem
Hammerschlag ansetzte, gelang es mir trotz des Alters Ulrians, gerade
noch den Schlag abzublocken. Aber als Stahl auf Stahl schlug, zersprang
meine Klinge in einem gewaltigen Splitterregen. Anerkennendes Raunen
ging durch die anwesenden Geweihten und Novizen, die diesem Teil der
Weihe verfolgt hatten.
Während ich noch verblüfft auf das Heft mit der
zerborstenen Klinge starrte, wurden mir das Kettenhemd und der
Übungswaffenrock ausgezogen und ich in einen rein
weißen Wappenrock getan. Dann wurde mir ein Schwert
umgegürtet und mir der Helm aufgesetzt.
Anschließend wurden Yadwiga und ich in feierlicher Prozession
in die Kavernen des Tempels geführt. Auch sie hatte die
Befragung durch die Geweihten, sowie die 12 Streiche und Wehren ohne
Fehl bestanden.
Das Donnern des Wasserfalls wurde immer lauter, bis wir
schließlich die große Halle betraten, an deren Ende
der gewaltige Wasserfall donnernd in die Tiefe stürzte. In der
Mitte des Raumes stand die zweite noch gewaltigere RONdrastatue des
Tempels. An den Wänden waren die Geweihten des Tempels und die
Besucher der Weihezeremonie, alles Freunde und Verwandte von mir und
Yadwiga aufgereit. Ich konnte Shala, Torben, Salix, Firunja und sogar
Armant entdecken, wie sie in feierlichen Gewändern meiner
Weihe beiwohnten. Festen Schrittes ging ich auf die Statue zu und
kniete mich vor die gewaltige Abbildung der Streitenden RONdra. Laut
rief ich gegen das Rauschen des Wasserfalls an:
Herrin RONdra, göttliche Leuin,
Herrscherin des ehrenhaften Kampfes und des Sturms.
Heute knie ich vor Dir, um vor Dir und vor allen zu erklären,
dass ich Dir auf ewig dienen will,
sei es in guten oder in schlechten Tagen.
Von heute an bis zu dem Tag an dem das Ende kommen mag und darüber hinaus.
Herrin RONdra das gelobe ich!!!
Anschließend traten Fürsterzgeweihte Aldare VIII.
Donnerhall zu Donnerbach und die Praetoren Bernfried Orkenspalter von
Thannheim und Rondragard Ecthelion von Mersingen-Murstätten
auf mich zu. Die Fürsterzgeweihte hielt einen
prächtigen RONdrakamm in den Händen, Praetor
Bernfried den Wappenrock mit der springenden roten Löwin und
Praetorin Rondragard die Schwertfibel eines Knappen der Göttin.
Vor mir stehend hielt die Fürsterzgeweihte Aldare VIII.
Donnerhall zu Donnerbach den RONdrakamm hoch über meinen Kopf
und rief mit merkwürdig lauter Stimme, während mir
die beiden Praetoren den Wappenrock und die Fibel anlegten:
„RONdra, göttliche Löwin, wenn es Dein
Wille ist, dass dieser Novize in den Reihen Deiner Krieger Aufnahme
findet, wenn es Dein Wille ist, dass er fortan Dein Zeichen
trägt und in deinem Namen für das Gute streitet, dann
schenke ihm Deine Gnade und nimm seine Weihe an!“
Gespannt horchte ich in das Rauschen des Wasserfalls hinein. Unendlich
lange Augenblicke lang geschah nichts. Dann mit einem Mal wurde
fühlte ich wie RONdra´s Macht und Herrlichkeit durch
meinen Körper strömten und mich bis in die letzten
Winkel meiner Seele ausfüllten. Ich fühlte
wie die Herrin einen Teil Ihrer Macht auf mich übergehen
ließ und mich verwandelte. Währenddessen wurde das
Rauschen lauter und hob an zu einem unglaublichen Lärm.
Plötzlich wurde es vollkommen still und in diese
unnatürliche Stille brach ein gewaltiger Donnerschlag, der die
Kaverne in der wir uns befanden, erzittern ließ.
Die Herrin hatte meine Weihe angenommen!!!!!
„Nun erhebt Euch, Thallian Eiriliôyn Nirrano zu
Donnerbach, Knappe der Göttin. Ziehet hinaus in die Welt, um
der Göttin Ehre zu bringen und Ihre Herrlichkeit zu mehren.
Findet euer Schicksal und Eure Bestimmung. Möge
RONdra´s Donner allzeit über Euch grollen.“
Mit einem stolzen Lächeln auf dem Gesicht überreichte
mir die Fürsterzgeweihte meine neue Waffe, die mich von nun an
bis zu meinem Ende begleiten würde. Eiriliôyn - der
Flammenlöwe, mit Dir würde ich die Macht und Glorie
der Herrin allzeit verteidigen und schützen.
Langsam stand ich auf und drehte mich zu den Anwesenden um.
Großer Jubel brandete auf und hieß mich in der
Gemeinschaft der Geweihten der Herrin willkommen. Nachdem auch noch
Yadwiga ihre Weihe erhalten hatte, trat die Fürsterzgeweihte
Aldare VIII. von Donnerhall zu Donnerbach noch einmal vor die
versammelte Menge und die beiden neuen Geweihten.
Es segne uns RONdra, die Herrin des Krieges
es bewahre uns RONdra, die Beherrscherin des Sturms,
es erleuchte uns RONdra, die herrliche Löwin der
Zwölf.
Es stärke uns die Kraft des gleißenden Stahls
und unser Glaube, der als eherner Schild vor uns steht.
Dein Wille oh Herrin sei unser Befehl.
Der nächste Tag wurde alter Tradition zu einem wahren Gelage
der Geweihtenschaft genutzt, an dem einmal recht wenig von der
üblichen Zurückhaltung der Geweihten zu sehen war.
Aber das steht auf einem anderen Blatt geschrieben.