Aus dem Tagebuch des Salix Lowanger:

26. TRA 23 Hal, morgens
Im Gasthaus in Reihersried

Oh, mein Kopf! RAHja, wat haste mir da tun lassen? Größer oder nicht, wenn Boris mich noch mal nach Brüderschaft trinken fragt, kriegt er brüderlich eins rein! Wo ist der Eimer? Torben, DeLinth und Thallian sind gestern Abend einer weiteren Spur nach. Als die los sind, war ich schon halb unterm Tisch. Gütige PERaine, erbarme Dich meiner und... Wo ist der Eimer?


26. TRA 23 Hal, später Vormittag
Unsere drei Reisenden sind gerade eingetroffen. Ziemlich schmutzig, reichlich erschöpft und in anderer Kleidung. DeLinth forderte vom Wirt ein heißes Bad. Im tiefsten Weiden im Winter! Aber nicht mit ein paar Seifenflocken, nein, unsere Spektabilität geruhte, in einem Sud aus Kamille, Lindenblüten, Bier, Minze und was weiß ich nicht noch alles zu baden! Der Wirt hat vielleicht jekiekt! Als der Herr Magus dann einen Kräutertee bestellte, war die Antwort vom Wirt, dass er gerade darin bade.

Ich gehe derweil die Prophezeiungen durch, um mich ein wenig von meinem Magen abzulenken... Wo ist der Eimer?
 

26. TRA 23 Hal, mittag
Habe zum Mittag nur trocken Brot gegessen, während ich über den Schriftstücken brüte.

„Wenn die Echse seinen Kristall verliert...“ Hatte nicht mal Rakorium Muntagonus schimpfend einen Magierkonvent verlassen, weil die übrigen Magier die Echsenmagie als minderwertig abtaten? Seine logische Folgerung war, dass dann auch Drachenmagie minderwertig wäre, weil diese durch ihren Karfunkel zaubern. Ich erinnere mich, darüber in den ungefährlichen (also nichtmagischen) Schriften der Bibliothek Armida gelesen zu haben. Die Szene war für einen Außenstehenden bestimmt lustig.

Moment! „Die Echse“ aber „seinen Kristall“. Seinen, nicht ihren, so wie es heißen müsste. Und welche Echsen nutzen Kristalle zum zaubern? Seinen würde passen wenn man „Drache“ statt „Echse“ setzt. Und welcher Drache hat seinen Kristall schon mal verloren? Da fällt mir nur einer ein: Teclador.

Weiter heißt es „und SEIN Freund stirbt und findet keine Ruhe“. Wie war denn das damals? Teclador hatte seinen Karfunkel verloren, und auf der Suche nach Colon da Merinal fanden wir erst Answin, dann gerieten wir in Liscoms Gefangenschaft, aus der wir ausbrachen... Wie Rubald den Höllenpein-Zwergen ausgeschaltet hat, war nicht nur RONdrianisch, das war schon bald HESindegefällig! Wir unterbrachen dann Liscoms Ritual, indem der arme Colon geröstet wurde, und Answin wechselte die Seiten. Das nächste Mal, als uns Answin begegnete, war er bereits untot.

Die letzte Zeile ist ja schon passiert: „Dann wird kommen der erste der sieben Boten und seine Nachricht wird sein der almadine Stein und das Wissen SEINES Namens“ Alles weitere steht dazwischen und muss dazwischen passiert sein. Und das bedeutet, dass diese Zeilen offenbar Ereignisse der jüngeren aventurischen Geschichte beschreiben!

Außerdem ähneln sich beide Prophezeiungen stark und unterscheiden sich nur in Details. Das scheinen unterschiedliche Übersetzungen zu sein. Um die Ereignisse zuzuordnen muss ich jeweils die Teile nur nehmen, die besser passen, eventuell sogar davon ausgehen, dass beide falsch sind.

 

26. TRA 23 Hal, Nachmittag
Dritter Vers, Version Dragenfeld: „Wenn der Kalif aus BORons Schoß ins Goldene Land gejagt wird, werden die Heerscharen des Blutgottes ins Herz den goldenen Vogels stoßen und ein Sohn des Fuchses wird den Namen seines Onkels und seiner Tante tragen“

Version Selem: „Wenn der König aus BORons Land in ein Goldland geschickt wird, werden viele blutige Götter ihre Herzen dem Vogel hineinstoßen und ein Fuchs wird so heißen wie ein Verwandter und eine Verwandte“

Wer ist wohl der Blutgott? Ob damit Tairach gemeint ist? Ich denke, die selemer Version ist hier deutlich ungenauer. Ob die ursprüngliche Version in einer dieser Echsensprachen geschrieben ist? Da klingt ja alles sehr, sehr ähnlich. Gruselig war das in der Kutsche, Torben und DeLinth beim Zischeln zuzuhören!

Angenommen, Tairach ist gemeint. Die Orks sind bis nach Gareth damals vorgedrungen, ins Herz des Mittelreichs... des Greifen! Der goldene Vogel ist ein Greif! Oder ist damit Greifenfurt gemeint? Völlig egal, die Orks haben beide Varianten erfüllt.

„Und ein Sohn des Fuchses wird den Namen seines Onkels und seiner Tante tragen“

Wer ist der Fuchs? Hal. Nee, kann nicht sein! Hals Sohn hat genau einen Namen: Brin. Oder ist Brin gemeint? Brin hat zwei Töchter, Yppolita und Rohaja, und einen Sohn, Selindian-Hal. Der wurde während des Orksturms in Braunenklamm geboren, würde zeitlich also passen.

Meine Güte, bin ich blind! Natürlich ist Selindian-Hal gemeint. Hier passt die Selemer Version besser: Der Junge trägt den Namen eines Verwandten und einer Verwandten, nämlich seines Großvaters Hal und dessen Schwester Selinde.
 
Und die Kalifenzeile? Die heißt wohl besser: „Wenn der Kalif aus BORons Land in ein goldenes Land gejagt wird“, denn genau das ist passiert: Die Al’Anfaner haben den Kalifen buchstäblich in die Wüste geschickt, ein goldenes Land.

 

26. TRA 23 Hal, später
Version Dragenfeld: „Wenn der Tod im Toten beschworen wird, wirden sich auftun die Sphären, und es wird sein ein Klagen und Jammern unter den Zauberern und Nichtzauberern und den strahlenden Strahlenden“

Version Selem: „Wenn der Tod beschworen wird, wird der Himmel zusammenstürzen, und es wird ein Krach und Sturm geben unter den Menschen und anderen und den Licht-Menschen“

Die Verse haben ja eine gewisse chronologische Ordnung: Erst Teclador, der sich seinen Karfunkel abluchsen lässt, dann der zweite Vers (wer ist ein Rabensohn?), dann der Orkkrieg und die Gegenoffensive im Khom-Krieg, direkt aus der Wüste heraus und Selindian-Hals Geburt, dann der vierte Vers und dann erscheint der Bote Torben mit dem Rubinauge, der verkündet, Borbarad sei SEIN Name. Was für ein wichtiges historisches Ereignis passierte denn zwischen dem Orkkrieg und Torbens Auge? „... wirden sich auftun die Sphären...“ Naja, DeLinth ist den Berichten der Schüler zufolge selbst ein Opfer seiner berühmten Limbuszauber geworden, aber Korobar wurde ja aufgehalten.

Aber die Sphären haben sich auch in Dragenfeld aufgetan. Und wie! Ich meine, da gibt’s ja nichts mehr! „Wenn der Tod im Toten beschworen wird“ Aber die Dragenfeldereignisse fanden nicht im BORon statt! Seltsam!

Und das große BORonwunder, von dem Rubald so begeistert erzählt hat? Auch das war nicht im BORon.

Und wenn es wieder ein Übersetzungsfehler ist? Wenn der Tod nicht im, sondern VOM Toten beschworen wurde? Von Answin zum Beispiel? Das ist es! Dieser Vers gibt die Ereignisse in Dragenfeld wieder!

„... und es wird sein ein Klagen und Jammern unter den Zauberern und Nichtzauberern“

Und wie! Thallian und Torben haben sich unter großem Klagen und Jammern gegenseitig gestützt.

 

26. TRA 23 Hal, abends
Version Dragenfeld: „Wenn der Sohn des schwarzen Vogels von der Tochter der Schlange vernichtet wird, erhebt sich wieder ein strahlendes Tuch, und der Inhaber des Tuches wird sein der dritte des Namens“

Version Selem: „Wenn ein Vogel-Sohn von einer Schlangen-Tochter ermordet wird, strahlt alles auf der Welt und der König der Welt wird einen dritten Namen tragen“

„Der Sohn des schwarzen Vogels“...

Answin Rabenmund? Nein, der lebt doch noch in Verbannung! Der Rest würde natürlich wunderbar passen: „erhebt sich ein strahlendes Tuch“ – ein Banner – „und der Inhaber des Tuchs wird sein der dritte des Namens“. Brin ist meines Wissens nach erst der Dritte „von Gareth“. Aber die Sache mit dem Vogel-Sohn und der Schlangen-Tochter passt da so gar nicht rein.

Augenblick! Schlangen-Tochter ist auch eine abfällige Bezeichnung für eine Magierin. Und wenn mit Vogel-Sohn Tar Honak gemeint ist? In seiner Kutte sah der ja schon aus, wie der Sohn des Raben. Der wurde doch von Nahema ermordet. Und mit der Ermordung Honaks lief auch der Krieg für Al’Anfa deutlich schlechter – „erhebt sich ein strahlendes Tuch“ – ach, was soll’s! – „erhebt sich ein strahlendes Banner, und der Inhaber des Banners wird sein der dritte des Namens“, Kalif Malkillah III.

Ich hab’s raus! Auf den Erfolg muss ich erst mal was trinken: einen schönen, warmen Kamillentee. Außerdem habe ich Hunger. Naja, ist ja auch schon dunkel draußen.

 

26. TRA 23 Hal, nach dem Abendessen
Aber warum wurde diese Prophezeiung gemacht? Wollte der Seher damit tatsächlich sagen: „Die Welt sich zu diesem Zeitpunkt für immer ändern, und ihr könnt es nicht verhindern, muhahaha!“ Normalerweise ist doch die Absicht eines Sehers eine ganz andere...

Vielleicht wollte er damit sagen: „Die Welt wird sich zu diesem Zeitpunkt verändern. Geht acht, dass Ihr die Zeichen nicht überseht, denn ER wird die Welt nach seinen Vorstellungen gestalten wollen. Seid gewappnet, wenn diese Zeichen geschehen, spätestens, wenn der erste Bote erscheint, auf dass ihr SEINEM Wirken etwas entgegensetzen könnt!“

Das erinnert mich auch an die ekelhafte Weissagung der Druiden (blutgetränktes Herz – Ha!): Sie sagten, die dunkle Saat wird gedeihen, wenn der Angriff auf Sumu nicht aufgehalten wird. Zusammen genommen denke ich, dass der Angriff auf Sumu bereits erfolgte, da von Dragenfeld und Umgebung nichts mehr als grauer Staub übrig ist. Das bedeutet, die dunkle Saat wird gedeihen. ER wird zurückkehren, und die Welt wird sich radikal ändern, wie es die Selemer Prophezeiung sagt. Torben sagt, dass SEIN Name Borbarad ist. Also wird Borbarad zurückkehren, und dafür müssen wir gewappnet sein! Alles, was er jetzt noch braucht, ist ein neuer Körper. Wenn sich das Angesicht der Welt also ändert, werden wir das nicht verhindern können aber alles, was danach kommt.
 

27. TRA 23 Hal, morgens
Beim Frühstück haben wir uns über der Karte besprochen. Unsere nächste Station wird Anderath sein.
 

27. TRA 23 Hal, mittags
Unterwegs haben wir Shala  getroffen. Kurze Zeit später trafen wir in Anderath ein. Noch vor der Stadt fiel uns auf, dass hier keine Baustelle an der Stadtmauer existiert; da muss irgendjemand zwei Ortschaften verwechselt haben.

Den PRAiostempel haben die Orks offensichtlich gar nicht komplett geplündert, das meiste Gold haben sie liegen gelassen. Sieht den Orks gar nicht ähnlich, aber sie haben tatsächlich so Dinge wie das Altargemälde, Gebetsbücher oder eine PRAios-Statue mitgenommen. Ich kann mir aber nicht wirklich vorstellen, dass die Orks einen PRAiosorden gründen wollen. Deshalb denken wir, dass es ein Auftragsraub war.

Unter den Verfolgern der Orks war ein Mann namens Walfried, so um die dreißig. Seine Kameraden von der Stadtgarde sagen, er ist während der Verfolgung von oben sehr unheimlich angeknurrt worden; seitdem säuft sich der arme Kerl die Hucke zu, um zu vergessen.

Der Baron wusste nichts von ungewöhnlichen Vorfällen zu berichten und verwies uns an den Dorfschulzen. Der konnte uns dann durchaus erzählen, dass am 1. RONdra wohl der Bauer Gernot verschwand. Weiterhin ist seit dem Sommer immer wieder eine Harpyie über dem Dorf gesichtet worden.

Außerdem trug sich im Gasthaus „Zum alten Sünder“ etwas Seltsames zu: Aus dem Zimmer eines Fuhrmanns von Trallop Gorge war am 27. EFFerd Kampflärm zu hören. Ilandro Darando rannte in das Zimmer und schwört, er habe die Leiche des Fuhrmanns gesehen. Als der Wirt nachgucken ging, war diese jedoch verschwunden. Außerden  wurde eine weitere Leiche von Rhodon Dhendron vor zwei Tagen in blutigem Schnee zwischen Anderath und Snakenteich gefunden, kurz hinter Leinhaus.

Wir brechen also gleich auf, um die Leiche zu untersuchen bzw. Spuren dessen, der sie dort hingebracht hat.

 

27. TRA 23 Hal, Abend
Junge, war das ein zäher Gobbo! Aber der Reihe nach:

Auch in Leinhaus wurde die Harpyie gesehen. Außerdem fehlt auch jemand aus diesem Dorf: Andresch ging bei der Getreideernte verloren; später wurde nur noch ein Arm von ihm gefunden. Wir ließen uns den Weg zur Leiche des Fuhrmanns beschreiben und gingen los. Wie schon gehört, lag sie kurz hinter Leinhaus. Sie wies mehrere Speerstiche, Spuren von einem stumpfen Messer und von Krallen auf.

Ich weiß nicht genau, was dann passierte; ich ging dem Ruf der Natur folgen. Gerade, als ich fertig war, hörte ich einen Schrei, den ich nicht einordnen konnte, gleich darauf hörte ich Torben schreien; er war offensichtlich deutlich verletzt. Als ich die Szenerie betrat, sah ich, wie Torben am Boden liegend von einem über ihm stehenden Goblin gewürgt wurde. Shala und Boris stürzten gerade auf den Goblin zu. DeLinth rief noch „Ich will ihn lebend!“, als Shala im Lauf einen Pfeil abschoss. Ich dachte noch: „Soviel dazu!“, jedoch schien der Gobbo vom Pfeil unbeeindruckt zu sein. Auch, dass Torben ihm den Rücken etwas mit dem Flammenschwert versengte, schien diesen nicht weiter zu stören.

Während ich selbst noch am Laufen war, erreichte Shala die beiden und riss den Rotpelz mit Hilfe ihres Mantels zurück. Damit riss sie auch Torben ein Stück vom Boden hoch. Im weiteren Verlauf schafften Shala, Boris und ich, den Goblin zu umringen und ihm deutliche Wunden zuzufügen. Da wollte er fliehen, wurde jedoch von Boris mit der Peitsche zu Boden gerissen. Im gleichen Moment rammte Torben sein Flammenschwert durch die Kreatur in den Boden und verwandelte es zurück in einen Stab. Shala tat es ihm nach und trieb ihr Jagdschwert durch die Brust des Goblin auch in den Boden. Trotz dieser beiden extremen Treffer wurde dieser jedoch nicht bewusstlos; im Gegenteil: Die Wunden begannen, sich wieder zu schließen, der Goblin spürte offenbar auch keine Schmerzen.

So fixiert hatte Torben jedoch Zeit genug, den Rotpelz magisch zu untersuchen. Doch die Untersuchung ergab, dass wohl keine Magie im Spiel war. Danach probierten wir ein Weilchen aus, welche Waffen den Goblin wie stark verletzten und wie schnell er sich davon erholte. Das ganze nahm ein abruptes Ende, als Thallian mit seinem versilberten Borndorn zustach – der Goblin zerfiel augenblicklich zu Staub.

Nachdem Silber eine dermaßene Wirkung erzielte, begaben wir uns in Anderath in den PERainetempel. Dort erhielten die Verwundeten einen Heilungssegen, damit keiner von ihnen an Lykantropie erkrankt. Der Geweihte erzählte uns noch, dass Arbeiter an der Stadtmauer in Altnorden verschwanden, nicht in Anderath. Auch andere Dörfer haben vermisste Leute zu vermelden, gen Süden scheint es schlimmer zu werden: In Baliho ging immerhin der Metzenschnitter um. Folglich werden wir morgen nach Baliho aufbrechen.

DeLinth bat den Geweihten noch, sein Trinkwasser zu segnen und begründete das damit, dass er neben einer Schale mit Weihwasser den gleichen Staub gefunden hatte. Schließlich gab er sich jedoch auch mit einem Säckchen mit geweihten Pflanzensamen zufrieden.